Düren: Manuel Graf im Dürener Leopold-Hoesch-Museum

Düren: Manuel Graf im Dürener Leopold-Hoesch-Museum

Bloß keine halbe Sachen, lieber keine Vereinfachung. Je komplexer die Materie ist, desto größer die Chance, etwas zu lernen, zu begreifen und zu vertiefen. Das jedenfalls findet Manuel Graf.

Kaum verwunderlich, dass sich der Betrachter mancher seiner Werke im Dürener Leopold-Hoesch-Museum (LHM) gleich mit zwei Realitäten auseinandersetzen muss: Der künstlich erschaffenen virtuell-digitalen — und der gegenständlichen, handgreiflichen. Mit „Mixed Use — So well built, we can’t show you the second floor“ zeigt das LHM seit Sonntag erstmals eine monografische Ausstellung des 1978 in Bühl geborenen Künstlers in musealem Kontext.

Die Gleichzeitigkeit des Widersprüchlichen zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Räume, in denen zentrale Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren mit neuen, speziell für die Ausstellung im Leopold-Hoesch-Museum geschaffenen Werken zusammengeführt werden.

Wie ein Lebewesen

Bei den „Doppelgaenger“-Installationen beispielsweise spielt der Preisträger des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft im BDI geschickt mit der Inszenierung von opulenten Sitzmöbeln und ihren digitalen Doppelgängern. Dank der imposanten visuellen Effekte und Verfremdungen sieht die künstliche Realität nicht nur strahlender und verlockender aus, das Digitale wirkt aufgrund von Linseneffekten beinahe wie ein Lebewesen, geradezu menschlich.

Seine Bilder, die fremde Galaxien in den unendlichen Weiten des Weltraums erahnen lassen, erwecken durch geschickten Farbverlauf den Eindruck räumlicher Tiefe und spielen erneut mit der Wahrnehmung von Realität. Gleiches gilt für seine Installation mit Keramiken und vermeintlichen Artefakten längst untergegangener Kulturen, die allesamt aus eigener Herstellung stammen und vor einem Animationsfilm inszeniert werden, in dem Hackbällchen wie reifes Obst vom Baum fallen.

Manuel Graf gehört zu einer Generation von Künstlern, die sich in ihrer Fragestellung einer konsum- und medienorientierten Gesellschaft widmet und die Wirkweisen der Methoden zur Gestaltung gegenwärtiger Realitätsauffassungen analysiert.

Die Technik der 3D-Animation und des Architektur-Renderings, deren massenhafter Gebrauch zu einer Umwertung der ästhetischen Deutungshoheit führt, überträgt er in seinen neuesten Werken zurück ins Analogzeitalter. Unter Einsatz des Tiefziehverfahrens erschafft er Reliefs, die in ihrer Ästhetik digital anmuten, gegenständlicher aber kaum sein könnten. Es braucht nicht lange, manche Janusköpfigkeit zu entdecken.

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