Köln: „Manon“: Der Montmartre lässt grüßen

Köln : „Manon“: Der Montmartre lässt grüßen

Dass Jules Massenet mit seiner Oper „Manon“ der Romanvorlage des Abbé Prevost nähersteht als Puccini mit seiner Version der „Manon Lescaut“, hat nichts daran ändern können, dass Massenets Oper im 20. Jahrhundert lange Zeit von Puccinis straffer gefassten Vertonung verdrängt worden ist. Das hat sich mittlerweile geändert.

Das spezifisch französische Kolorit der Massenet-Oper hat Regisseur Johannes Erath an der Kölner Oper animiert, der Handlung eine Prise „Moulin Rouge“-Aroma zu verleihen. Das Tanzbein wird zwar nicht zum Can-Can geschwungen, doch die Genre-Szenen sind stark von Montmartre-Klischees geprägt, einschließlich revuehafter Kostüme und einiger Einlagen zu Pariser Akkordeon-Klängen. Und die schöne Manon verdreht auf einem überdimensionalen Parfüm-Flacon den Männern die Köpfe.

An präziser Personenführung mangelt es der Inszenierung nicht. Allerdings verlieren sich viele Details in der originell, aber nicht unproblematisch zugeschnittenen Spielfläche im Deutzer Staatenhaus. Erath und sein Bühnenbildner Herbert Barz-Murauer nutzen die gesamte riesige Breite der Halle und beschneiden die Perspektive horizontal durch eine tief gezogene Decke und eine hoch angesiedelte Spielfläche, so dass die Bühne wie ein schmaler Filmstreifen anmutet. Immer wieder frieren die Figuren, vor allem der Chor, ein und werden auf einem Laufband wie lebende Bilder über die Bühne gezogen.

Das hat seinen Reiz, geht allerdings auf Kosten der vielen intimen und klein besetzten Szenen, die sich in der Breite der Bühne verlieren. Immerhin bleibt noch erkennbar, wie berechnend und kokett Manon ihren Hunger auf ein luxuriöses Leben ausspielt.

Dem französischen Kolorit der Inszenierung entspricht die musikalische Leitung durch den genre-erfahrenen Gastdirigenten Claude Schnitzler, der das groß besetzte Gürzenich-Orchester stilsicher durch den langen Abend führt. Grandios gestaltet und singt Zuzana Marková die Titelrolle. Atalla Ayan als de Grieux steht ihr an Attraktivität in nichts nach, und der metallische Glanz seines Tenors ist beachtlich.

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