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Manchmal hilft nur das Bi-Diplom

Manchmal hilft nur das Bi-Diplom

Euregio (an-o) - Viel Arbeit im Betrieb, ein bisschen Lernen in der Schule: Das deutsche Modell der Berufsausbildung setzt auf viel Praxis und wenig Theorie. Bei den Niederländern ist es umgekehrt, und die Ostbelgier favorisieren das Sowohl-Als auch. Drei Länder - drei Ausbildungen.

"Die Berufsausbildung in Deutschland ist perfekt, die hätten wir auch gerne." Wer sich da so anerkennend über die deutsche Lehre äußert, ist Peter Haane, Hauptgeschäftsführer der Kamer van Koophandel Zuid-Limburg in Maastricht. Das duale System aus betrieblichem Alltag und Berufsschule kennen die Niederländer nicht. Dort drücken alle Auszubildenden vier Jahre lang die Schulbank und haben danach einen beruflichen Abschluss, der entweder dem Niveau einer Lehre (MBO) oder einem Fachhochschulstudium (HBO) entspricht. In beiden Fällen lernen die Azubis nicht im Betrieb, sondern auch den praktischen Teil in der Schule. "Nicht alle haben dafür das Köpfchen. Viele brechen die Ausbildung ab, weil sie besser mit den Händen arbeiten", kritisiert Peter Haane dieses verschulte System.

Rheinische Lösung

Sein langfristiges Ziel ist es, mit der Industrie- und Handelskammer in Aachen zu fusionieren und dann auch die Ausbildung zu importieren. "Doch bislang endet das Gesetz noch an der Grenze", weiß Heinz Gehlen, Geschäftsführer der IHK in Aachen. Eine Lehre im Nachbarland ist eigentlich nicht möglich, weil die Abschlüsse nicht kompatibel sind. Doch rheinische Lösungen verhelfen manchem Lehrling etwa im Metallbereich zu einem "Bi-Diplom", das in den Niederlanden und in Deutschland anerkannt ist.

Für Lehrstellensuchende aus Deutschland kann es sich also auch lohnen, einen Blick auf die Lehrangebote im Nachbarland zu werfen, wo die Lehrstellen nicht gar so knapp sind. Zwangsläufig wird der Azubi dabei auf Hürden stoßen. Wie etwa ein Lehrling, der in Eupen eine Stelle gefunden hatte, für einen Gesellenbief aber die deutsche Berufsschule brauchte. "In solchen Fällen können sich die Azubis an uns wenden. Wir sehen dann, was wir machen können, auch wenn das fast am Rande der Legalität ist", zeigt sich Gehlen unbürokratisch.

Lehrstellenbörse

Die Zusammenarbeit mit den Belgiern klappe dabei noch nicht so gut wie mit den Niederländern, fügt der Geschäftsführer hinzu. Und das obwohl die belgische Ausbildung der deutschen ähnlicher ist als die niederländische. Auch hier gibt es die dreijährige Lehre mit dualem System. Jugendliche, die der Theorie eher zugeneigt sind, können allerdings auch eine schulische Berufsausbildung absolvieren. Wie in den Niederlanden ist auch in Belgien die Ausbildung nicht Aufgabe der Kammern.

In Ostbelgien organisiert das Institut für Aus- und Weiterbildung im Mittelstand (IAWM) das berufliche Fortkommen. "Wir sind so etwas wie eine Aufsichtsbehörde, eine Mischung aus Bildungsministerium und den Kammern", erklärt Hubert Keutgens, Direktor des Instituts. Das IAWM legt Prüfungsinhalte fest, nimmt Prüfungen ab, organisiert Schnupperwochen für Noch-Schüler und verwaltet die Lehrstellenbörse, die ab Mai übrigens auch im Internet einfach abrufbar ist.