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Köln: Mal rockig, mal funkig, mal jazzig im Sound-Tornado

Köln : Mal rockig, mal funkig, mal jazzig im Sound-Tornado

Für die hübsche Blondine Mitte 20 genügt ein kurzer Blick durchs Fernglas. „Süß”, sagt sie. Ihre Augen leuchten, und sie sieht aus wie ein Kätzchen, dem man gerade eine Schüssel Sahne serviert hat. Genau das ist das Problem von Leonard Albert Kravitz, besser bekannt als Lenny Kravitz. Oder sein Vorteil. Je nachdem, wie man das sieht.

Im Palladium hat der 44-Jährige gerade am Piano Platz genommen. Ein sehr gestyltes Teil mit gläsernem, lämpchenbestücktem Deckel. Kravitz, ganz in blaues Licht getaucht, singt „I´ll be waiting”. Eine Ballade mit Herz, Schmerz und allem, was geht. Sie stammt von seinem neuen Album „It is time for a love revolution”, das im Februar veröffentlicht wurde und ihm Platz sechs der deutschen Charts einbrachte.

Wenn Kravitz schmachtet so wie jetzt, mit melodramatischer Attitüde, ganz ohne coole Sonnenbrille und dabei sehr, sehr attraktiv, dann lieben ihn die Mädels. Unter den 4000 Fans, die Dienstagabend im ausverkauften Kölner Palladium eins von zwei Kravitz-Konzerten in Deutschland erleben, sind viele Mädels. Sie treten paarweise oder in Gruppen auf.

Auf der anderen Seite sieht man im Publikum aber auch gestandene Männer mit grauen Haaren, deutlich jenseits der 50. Sie schätzen Kravitz als einen, der richtig Druck machen kann. Mit seiner vollvolumigen Blockbuster-Stimme und einer fantastischen Live-Band, die einem die jaulenden Gitarrenriffs, die scharfen Bläsersätze und die wabernden Orgelmatten nur so um die Ohren haut. Das entfacht einen regelrechten Sound-Tornado. Mal rockig, mal funkig, mal jazzig. Oder, mit einem Wort ausgedruckt: Souverän.

Daran scheiden sich die Geister. Eindeutig. Bei den kopfstimmigen Balladen graust es die Rock-Opas. Und das kopflastige Gedöns enerviert die Girlies. Aber bedient werden an diesem Abend beide.

Gut angefangen hat der Abend nicht gerade. Mit 50 Minuten Verspätung kommt Kravitz auf die Bühne. Dann aber gewaltig. In fast zweieinhalb spannungsgeladenen Stunden macht er alle Pfiffe und Buh-Rufe im Nu wieder wett. Wer vom Titel der aktuellen CD auf Flowerpower schließt, hat sich geschnitten.

Stattdessen gibt es Funk von Dauer - in mehreren Sets, die die Puristen im Publikum vor Wonne aufseufzen lassen und eine Massenflucht unter den Girlies auslösen.

Aber im Großen und Ganzen stimmt die Melange: Neue Stücke („Bring it on”) und alte Hits („Fly away”), Sachen zum Abrocken, Mitsingen oder Dahinschmelzen.