Aachen/Maastricht: Maastricht 2018: Der Countdown läuft

Aachen/Maastricht: Maastricht 2018: Der Countdown läuft

Der Countdown läuft: Das Projekt „Maastricht & Euregio 2018“ steht vor der Entscheidung. Noch gehören Eindhoven und Leeuwarden zu den letzten Mitbewerbern um den Titel einer Kulturhauptstadt Europas 2018. Der ist heiß begehrt, garantiert er doch nicht nur einer ganzen Region, für ein Jahr im internationalen Rampenlicht zu stehen.

Er beschert ihr erfahrungsgemäß auch eine außergewöhnliche Investitionsspritze mit nachhaltigen Folgen für die gesamte Infrastruktur.

Am 6. September fällt die Jury in Amsterdam ihr endgültiges Urteil nach einer finalen Präsentation der drei Bewerber. Zwei Tage zuvor, am 4. September, sind die 13 Juroren — sechs Niederländer und sieben aus anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union — in Maastricht und der Euregio unterwegs, um hier vor Ort die Basis der Bewerbung komplett unter die Lupe zu nehmen.

Jürgen Linden, der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kulturhauptstadtpartner, erläutert, worum es geht: „Überprüft wird, wie die Arbeit, wie das Netzwerk der beteiligten Partner funktioniert, wie weit es ausgebaut ist, ob das Budget gesichert ist, wie das Programm und die organisatorische Aufstellung aussehen.“ Linden ist sicher: „Wir gewinnen, ein anderer Gedanke kommt gar nicht infrage.“ Beste Chancen sieht der ehemalige Aachener Oberbürgermeister bereits in der Tatsache, dass Maastricht und die Euregio als Letzte auf dem „Begehungsplan“ der Jury stehen — nach Eindhoven und Leeuwarden.

Als größte Hürde hatte sich am 30. November 2012, als in Amsterdam die Vorentscheidung unter den damals noch fünf Bewerbern fiel, eine immer wieder gestellte Frage erwiesen. Linden: „‚Wie kann das funktionieren‘, hieß es, ‚mit einer Partnerschaft von 13 Städten aus drei Ländern, bei drei verschiedenen Sprachen, unterschiedlicher Gesetzgebung und Behördenstruktur?‘ Wir haben einfach mit einer Gegenfrage geantwortet: ‚Wie soll denn eine EU mit 27 verschiedenen Partnern funktionieren?‘“ Mittlerweile sind es sogar 28. Ein Argument von Gewicht offenbar, sonst wären wohl kaum Den Haag und Utrecht als Erste aus dem Kreis der Bewerber herausgeflogen. Jetzt heißt es in den letzten verbleibenden Wochen für Maastricht, Aachen & Co., noch einmal kräftig die Hemdsärmel aufzukrempeln.

Tüchtig „umgekrempelt“ wird schon einmal die Organisationsstruktur: „Eine Maßnahme zur Professionalisierung“, erklärt Linden. Dem Vorstand mit Huub Smeets, ausgewiesener Experte in Sachen Stadtentwicklung, und Guido Wevers, dem künstlerischen Leiter, wird sich ab 1. Januar ein Finanzfachmann hinzugesellen. Linden: „Immerhin geht es ja um ein Budget von 80 bis 90 Millionen Euro.“ Zugeordnet werden zentrale Arbeits- und örtliche Programmgruppen der beteiligten Partnerstädte.

Gremium wird professioneller

Das zweite wichtige Gremium, der Aufsichtsrat, wird auf ein professionelles Maß verkleinert, statt 13 „Köche“ werden nur noch drei bis fünf schlagkräftig für ein „strategisches Controlling“ sorgen. Und die Gesellschafterversammlung sorgt unter Federführung des Maastrichter Bürgermeisters Onno Hoes dafür, dass das Programm läuft und 35 Prozent der Partnerbeiträge für Organisation und Kommunikation und 65 Prozent für die Kernprogramme in den Jahren von 2014 bis 2019 ausgegeben werden.

Apropos Programm: Der Entwurf mit den Hauptleitlinien und -zügen ist bereits vom Aufsichtsrat verabschiedet worden. Das Papier liegt uns vor.

Linden: „Wir wollen den Vertrag von Maastricht über die Kultur erneuern.“ Die Euregio soll dabei als Modellgesellschaft für ein „Europa von morgen“ wahrgenommen werden.

Eine wunderbare Formel, die den Status einer vorerst nur ab-strakten Vorstellung bereits verlassen hat. Jürgen Linden verriet uns einige Programmlinien, wie das Thema handfest umgesetzt werden soll: Bekannte Autoren wie Geert Mak starten bereits 2014 mit deutsch- und französischsprachigen Schriftstellern zu einer „Frühlingsreise“ durch Europa, um den europäischen Alltag zu erkunden, Menschen zu Wort kommen zu lassen mit ihren Wünschen und Träumen von einer gemeinsamen Zukunft — kurz: Material zu sammeln, um 2018 eine Theaterproduktion „Europäischer Frühling“ zur Uraufführung zu bringen.

Einer der wichtigsten Komponisten unserer Zeit, der US-Amerikaner Philip Glass soll den Auftrag bekommen, aus der Sicht des „Außenstehenden“ Europa eine Oper zu widmen, die Uraufführung ist im Frühjahr 2018 an der Opéra de Wallonie in Lüttich geplant. Titel: „Europe revisited“ (Europa wieder entdeckt).

Die Verlierer der Globalisierung und der Nährboden für populistische Formeln sollen künstlerisch reflektiert werden in einem Medea-Antigone-Projekt einer berühmten Tanzgruppe. Die Begegnung der abendländischen und orientalischen Kulturen werden durch andere Projektideen mit der Situation heutiger Migranten verknüpft.

Überhaupt: Europa als Schmelztiegel der Kulturen wird im Kulturhauptstadtjahr 2018 ganz besonders großgeschrieben — musikalisch und selbst karnevalistisch: Unter dem Motto „Jeder ist sein eigener Narr“ präsentieren sich die unterschiedlichen europäischen Karnevalsbräuche in einem großen Projekt, das selbst ost- und südeuropäische Traditionen miteinbezieht.

Das Material soll inspirieren

Kohle, Kalkstein, Gummi und Stahl — allesamt typische Materialien der hiesigen Industriekultur: Bildende Künstler aus der Euregio sind aufgerufen, sich in Zusammenarbeit mit den führenden Museen der Region davon inspirieren zu lassen, um gemeinsam in Ausstellungen eine europäische Geschichte der besonderen Art zu erzählen.

„Maastricht & Euregio Kulturhauptstadt 2018“ bekommt mehr und mehr Kontur — und am 6. September könnten einige Träume und Visionen schon wahr wer-den.

Mehr von Aachener Nachrichten