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Aachen: Ludwig Forum: Aufgeschraubt und abgestaubt

Aachen : Ludwig Forum: Aufgeschraubt und abgestaubt

Tausende Werke umfasst die Sammlung Ludwig in ihrem Stammhaus, dem Aachener Ludwig Forum - eine gewaltige Aufgabe für dessen neuen Leiter Harald Kunde, die Spreu vom Weizen zu trennen, das gut Gemeinte vom Gelungenen und Dauerhaften zu scheiden.

Mit dem notwendigen Abstand ging der Dresdner Neu-Aachener unbekümmert an die Arbeit und hat unter dem provokativen Motto „Aufgeschraubt und abgestaubt” mittlerweile all die knalligen Kubaner und biederen Russen in den Keller verbannt, um nur noch den Hauptwerken einen angemessenen Raum zu gönnen.

Entstanden sind nun ein „amerikanischer” und ein „europäischer Flügel” rechts und links der großen Halle, die selbst fortan als ein Skulpturen-Forum dient. In einem letzten Schritt ist mit der Gestaltung zweier Säle auf „europäischer Seite” die Neupräsentation der Sammlung jetzt abgeschlossen.

In „prägnanten räumlichen Konstellationen”, wie es Harald Kunde formuliert, präsentieren sich nun in ihrem individuellen Eigenwert ernst genommene Kunstwerke in unterschiedlichsten sinnvollen und spannenden Bezügen untereinander - sei es in stilistischer, zeit-, geistes- oder kunstgeschichtlicher Hinsicht.

Franz Gertschs Riesenbild „Medici” findet sich nun mit Gerhard Richters Farbanalysen aus den 70er Jahren, „Permutation”, konfrontiert - als zwei extreme Pole malerischer Positionen, fast zur geichen Zeit entstanden.

Flankiert von Anselm Kiefers Köpfen deutscher Geistesgrößen als Reflexion auf die deutsche Geschichte neben Konrad Klaphecks ganz anders gearteter, ironischer Kommentar zu allem Heldenhaften, sein „Athletisches Selbstbildnis” - ein nähmaschinenartiges Gebilde.

Den Übergang zum zweiten Saal bildet eine durchgehende Arbeit von Hanne Darboven, die mit einer schier endlosen Reihe von Zahlenfolgen das Vergehen von Zeit vor Augen führt. Teile der teuren Ausstellungsarchitektur der Tacita-Dean-Schau haben im übrigen hier eine sinnvolle Wiederverwertung gefunden: Sie verdecken die störenden Fenster.

Klassiker der deutschen Nachkriegsfotografie, Bernd und Hilla Becher sowie Bernhard und Anna Blume, sind mit je einer repräsentativen Arbeit vertreten. Christos bildlicher Traum von einem eingewickelten Fußweg in Tokio, der hier hängt, kennen die hiesigen Kunstfreunde noch aus der Neuen Galerie in den 70er Jahren.

Und Allen Jones einst so provokative sexistisch umfunktionierte Damen „Tisch, Stuhl und Hutständer” verbreiten heute allenfalls noch den Ausdruck einer milden Schwermut: Die bemitleidenswerten Drei haben unter dem Zahn der Zeit doch arg gelitten. Gleichwohl bilden sie als Kinder der englischen Pop-Art eine und sinnvolle Ergänzung zur amerikanischen Spielart auf der anderen Gebäudeseite.

Von der gewonnenen Attraktivität des Hauses überzeugen will sich am 16. Dezember Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos), die an diesem Tag das Ludwig Forum besuchen und ab 15 Uhr zu einer Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung stehen will.