1. Kultur

Köln: Literatur aus der Kölner Kneipe

Köln : Literatur aus der Kölner Kneipe

Von draußen sieht das „Backes” in der Darmstädter Straße, etwas abseits vom Chlodwigplatz, eigentlich so aus wie immer. Nur beim genaueren Hinsehen fällt auf, dass unter der hölzernen Eingangstür ein schwarzes Kabel hindurchführt und dass die Butzenscheiben der linken Fensterfront merkwürdig undurchsichtig sind.

Weil man sie, von innen, komplett mit dunkler Folie abgeklebt hat. Auch sonst ist in der Zeit zwischen 15 und 15. 26 Uhr einiges anders als sonst.

Was damit anfängt, dass das „Zentrum fürs Wesentliche”, wie Wirtin Barbara Petry ihre Kneipe nennt, normalerweise noch gar nicht geöffnet hätte Für die nächsten 26 Minuten darf im „Raucherclub” nicht geraucht werden, Mobiltelefone haben Funkstille, Gänge zum WC sind verpönt und die Zapfhähne bleiben zu.

Für eine knappe halbe Stunde ist das „Backes” keine Kneipe mehr, sondern ein Drehort. Hier entsteht die zweite Online-Folge von Elke Heidenreichs„Lesen!”, die ab dem 16. Dezember rund um die Uhr auf dem Internet-Portal der lit.Cologne abgerufen werden kann. Das „Backes” ist seit 1987 Heidenreichs Stammkneipe. Die Aufzeichnung gerät beinahe so familiär wie ein Kaffeekränzchen.

40 geladene Gäste

Anwesend sind zwischen 30 und 40 geladene Gäste, darunter Freunde, Bekannte und Journalisten. Gesprächspartner ist diesmal der Philosoph, Journalist und Schriftsteller Richard David Precht (44), dessen Sachbuch „Wer bin ich - und wenn ja wie viele” noch bis vor Kurzem die der Spiegel-Bestellerliste anführte und mehr als 500.000 Mal verkauft wurde. Der smarte Solinger und die begeisterte Bücherfreundin verstehen sich gut.

Sie nennt ihn „blitzgescheit” und lobt seinen „klugen Kopf”, er bedankt sich artig fürs „Berühmtgemachtwerden”. Heidenreichs Buchempfehlungen - es sind insgesamt fünf - geraten gewohnt subjektiv und gewohnt emphatisch. Aber das ist Teil des Konzepts von „Lesen!”, das nicht Literatur kritisch rezensieren will, sondern Bücher vorstellen, die Gefallen fanden.

Der Umzug nach dem Krach mit dem ZDF in die digitale Welt, so scheint es, hat Elke Heidenreich nicht geschadet. „Lesen!” online ist bislang zwei Millionen Mal angeklickt worden, ab kommendem Dienstag wird diese Zahl vermutlich weiter steigen. Die jeweiligen Wunschgäste vor die Kamera zu bekommen, sagt Heidenreich, sei „genauso schwierig und leicht, wie vorher”.

Die nächste Aufzeichnung ist für den 7. Januar geplant und ab dem 11. Januar wird man dann sehen können, wie Stefan Aust bei der Bücherlese im „Backes” ´rüberkommt. Weitere Folgen sind in Planung.