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Worms: Liebe und Intrigen im besten Krimi aller Zeiten

Worms : Liebe und Intrigen im besten Krimi aller Zeiten

Im stickigen Festspielhaus von Worms trifft sich seit einigen Wochen regelmäßig die erste Garde der deutschen Schauspieler. Auf der Bühne stehen unter anderem Mario Adorf, Maria Schrader, Götz Schubert und André Eisermann.

Sie proben für die Nibelungen-Festspiele, die am 17. August unter freiem Himmel vor dem Wormser Dom eröffnet werden. Regie führt Dieter Wedel. Bei den Festspielen wird das rund 800 Jahre alte Nibelungenlied in moderner Form am Originalschauplatz aufgeführt.

Weite Teile der Sage um den fast unverwundbaren Drachentöter Siegfried, das Schwert Balmung, den Nibelungenschatz und die rachsüchtige Kriemhild spielen in der damals bedeutenden Stadt Worms.

Nach dem Willen der Festspielleitung soll aus dem Heldenepos über Liebe, Krieg und Intrigen, das die Nazis für ihre völkische Propaganda missbrauchten, der „beste Krimi aller Zeiten” werden. Die zwölf Vorstellungen mit jeweils 2000 Plätzen sind bereits seit Monaten ausverkauft.

Intendant Klaus Naseband hat einen hohen Anspruch und möchte das Projekt in den kommenden Jahren gern weiterentwickeln. „Wir orientieren uns an den Salzburger Festspielen. Diese ganze Anstrengung für nur zwölf Vorstellungen wäre sehr unökonomisch. Mario Adorf und alle anderen würden gern nochmal kommen”, sagt er.

Nach seinen Plänen soll im nächsten Jahr eine weitere Produktion hinzukommen - und 2004 noch zwei kleinere Stücke. Auf diese Weise könnte sich Worms als Festspielort etablieren. Doch die Stadt will erst abwarten, ob die aktuelle Produktion künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreich wird.Die Voraussetzungen dafür sind gut.

Der junge Autor Moritz Rinke verwandelte das sperrige Original mit mehr als 2000 Strophen in Mittelhochdeusch in ein Drama mit viel Ironie. Dafür hat er nichts vom Inhalt geopfert. Wedel ist voll des Lobes für die Neubearbeitung: „Es ist ein frecher, leichter und auch sehr undeutscher Zugriff auf diesen Stoff.” Auch bei ernsten Szenen schimmere Humor durch.

Für Adorf, der den Hagen spielt, hat das Stück viele Bezüge zur Gegenwart: „Es ist eine moderne und spannende Geschichte, die es durchaus verdient, neu gesehen zu werden, nicht nur als historisches Spektakel, sondern als moderne Kriminal- und Liebesgeschichte.”

Die Zeitlosigkeit wird durch die Mischung der Requisiten unterstrichen. Einerseits treten die Ritter in Eisenrüstungen auf, dann aber fahren die Burgunder in einem Mercedes-Cabriolet zu König Etzel. Die unterworfene Königin Brünhild aus Island kommt auf einem riesigen Pferd aus Eis auf die Bühne, das langsam schmilzt.

Gespielt wird auf dem Platz vor dem Dom, auf dem drei große Ahornbäume stehen. Wedel bezieht diese Kulisse ein, setzt aber nicht auf billige Effekte und hält sich beim Gemetzel zurück. „Das Grauen stellt sich am besten da ein, wo man die Szene in der Fantasie beendet”, erklärt er.

Ursprünglich wollte 3sat die Premiere live im Fernsehen übertragen, nun wird die Generalprobe gezeigt. „Ich wollte den Schauspielern nicht zumuten, eine Fernseh- und Theaterpremiere gleichzeitig zu machen”, sagt Wedel.