Licht- und Klanginstallation im Ludwig Forum Aachen

Ausstellung im Ludwig Forum : Wie Musik aus kosmischen Sphären

Weiße Lichtschauer fallen herab, dazu sind Töne wie aus einem alten Science-Fiction-Film zu hören. Es blinkt in Rot und Orange, dazu erklingt ein Piepen wie von Pinguinen: Tim Otto Roth hat seine Licht- und Klanginstallation „AIS³ [aiskju:b]“ im Aachener Ludwig Forum aufgebaut. Sie macht Neutrinos erfahrbar.

Als 2013 ein internationales Wissenschaftlerteam des Observatoriums IceCube die ersten Neutrinos – kleinste Teilchen aus den unzugänglichen Teilen des Weltalls – mithilfe von 5160 Detektoren im Südpoleis nachweisen konnte, war das nicht nur eine wissenschaftliche Sensation, sondern auch maximal abstrakt. Neutrinos sind zwar überall, aber mit bisherigen Methoden nicht zu sehen oder zu spüren gewesen. IceCube registriert die extrem schwachen und extrem schnellen Lichtspuren der „Geisterteilchen“ im Eis und setzt sie in Computerdaten um. Sie dienen Roth als Basis für „AIS³ [aiskju:b]“. Im Ludwig Forum kann man sich jetzt also quasi zwei Kilometer tief in einen Gletscher aus 50.000 bis 100.000 Jahre altem Eis begeben und die durch „IceCube“ sichtbar gemachten Neutrino-Bewegungen sinnlich erleben.

Der Künstler und Komponist Roth geht dabei über eine sichtbare Wiedergabe der Daten hinaus: Tonfrequenz und Lichtintensität – abgegeben von einem begehbaren Netz aus 444 kugelförmigen, illuminierten Lautsprechern – nutzt er, um die aktuellen wissenschaftlichen Daten zu einem eigenständigen Werk umzuformen. „Ich muss die tatsächlichen Lichtspuren extrem verlangsamen, um sie sichtbar zu machen. Farbe und Musik wirken komplementär zueinander. Alles mischt sich im Raum. All diese Stellschrauben nutzte ich. Es ist ein Laboratorium“, erklärt Roth.

Das nimmt auch die sonst eher an klaren Fakten interessierten Wissenschaftler ein: Prof. Christopher Wiebusch sowie Studentin Marit Zöcklein und Doktorand Martin Rongen vom III. Physikalischen Institut B der RWTH forschen selbst bei „IceCube“ und unterstützen Roth. „Wir setzen die Daten am Computer auch in sichtbare Lichtspuren um, aber der Raum, der Klang und das Licht bringen doch noch einmal eine ganz andere Qualität“, sagt Wiebusch. „Die Emotion ist viel stärker.“ Im Ludwig Forum kann man sich davon hautnah überzeugen.

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