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Köln: "Letztes Ziel ist die Verwandlung der Welt"

Köln : "Letztes Ziel ist die Verwandlung der Welt"

Rund eine Million Menschen haben auf dem Marienfeld mit Papst Benedikt XVI. Eucharistie gefeiert. Der betonte in der Predigt, durch die Eucharistie sei Vereinigung mit Gott möglich. Benedikt hielt die Predigt in verschiedenen Sprachen. Im Anfangs- und Schlussteil sprach er jeweils deutsch, dazwischen englisch, französisch, spanisch und italienisch. Radio Vatikan dokumentierte die Kernsätze der Predigt:

"In der Eucharistie soll Anbetung Vereinigung werden..

Dies ist die eigentliche Wandlung, die im Abendmahlssaal geschah und die dazu bestimmt war, einen Prozess der Verwandlungen in Gang zu bringen, dessen letztes Ziel die Verwandlung der Welt dahin ist, dass Gott alles in allem sei. Alle Menschen warten immer schon irgendwie in ihrem Herzen auf eine Veränderung und Verwandlung der Welt. Dies nun ist der zentrale Verwandlungsakt, der allein wirklich die Welt erneuern kann: Gewalt wird in Liebe umgewandelt und so Tod in Leben.
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Das ist sozusagen die Kernspaltung im Innersten des Seins - der Sieg der Liebe über den Hass, der Sieg der Liebe über den Tod. Nur von dieser innersten Explosion des Guten her, das das Böse überwindet, kann dann die Kette der Verwandlungen ausgehen, die allmählich die Welt umformt. Alle anderen Veränderungen bleiben oberflächlich und retten nicht.

(englisch)
Leib und Blut Christi werden uns gegeben, damit auch wir uns verwandeln. Wir werden zum Leib Christi, zu seinem Leib und Blut.

Ich möchte den neuen Schritt, den uns das letzte Abendmahl nahe legt, erläutern - anhand der verschiedenen Nuancen, die das Wort "Anbetung" im Griechischen und im Lateinischen hat.
Das griechische Wort ist proskynesis. Es bezieht sich auf einen Gestus der Unterordnung, auf die Anerkennung Gottes als unseren wahren Maßstab, auf das Flehen Ordnung, der zu folgen wir uns entschlossen haben.
Das bedeutet, dass Freiheit nicht einfach heißt, das Leben unabhängig von allem zu genießen, sondern nach dem Maßstab des Wahren und des Guten zu leben, so dass auch wir wahr und gut werden können. Das ist notwendig, auch wenn uns unser Freiheitssterben vielleicht zunächst zögern lässt.
Wir können diese Geste nur dann vollständig annehmen, wenn wir auch den zweiten Schritt mit einbeziehen den das Letzte Abendmahl uns nahe legt. Das lateinische Wort für Anbetung ist ad-oratio - ein Kontakt von Mund zu Mund, ein Kuss, eine Umarmung, eine bedingungslose Liebe.
Unterordnung wird Vereinigung, weil der, dem wir uns unterwerfen Liebe ist. In diesem Sinn bekommt Unterwerfung einen Sinn, weil es nicht um etwas geht, das uns von außen auferlegt ist, sondern um etwas, das uns von tief innen heraus befreit.

(französisch)
Schöpfung und Erlösung gehören zusammen. Deshalb ist der Sonntag so wichtig, Es ist schön, dass heute in vielen Kulturen der Sonntag ein freier Tag ist und mit dem Samstag zusammen ein freies Wochenende bildet. Diese freie Zeit bleibt aber leer, wenn Gott nicht in ihr vorkommt.
Liebe Freunde, manchmal mag es zunächst unbequem erscheinen, auch die Heilige Messe in das Sonntagsprogramm mit einzuplanen. Aber wenn ihr euch darauf einlasst, werdet ihr feststellen, das es eben die Messe ist, die der freien Zeit eine Mitte schenkt.
Lasst euch also nicht davon abhalten, an der sonntäglichen Eucharistie teilzunehmen und helft anderen, sie zu entdecken. Denn aus ihr erwächst unsere wahre Freude.
Wir müssen gewiss lernen, ihre Tiefe immer weiter zu entdecken, wir müssen lernen, sie zu lieben.
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Indem ihr die Eucharistie liebt, werdet ihr auch das Sakrament der Versöhnung wiederentdecken, in dem uns die göttliche Barmherzigkeit immer wieder die Möglichkeit schenkt, einen Neubeginn unseres Lebens zu wagen.

(italienisch)
Wer Christus entdeckt hat, muss auch andere zu ihm bringen. Eine große Freude kann man nicht für sich behalten. Man muss sie weitergeben.
In großen Teilen der Welt gibt es heute eine seltsame Gottvergessenheit. Es scheint alles auch ohne ihn zu gehen. Aber gleichzeitig herrscht ein Gefühl der Frustration, des Ungenügens an allen und allem. Und man muss es laut aussprechen: Das kann nicht das Leben sein. Wahrhaft nicht.
Und daher geht mit der Gottvergessenheit gleichzeitig ein Boom des Religiösen einher. Ich will nicht alles abwerten, was in diesem Kontext steht. Es kann sicherlich eine aufrichtige Freude des Entdeckens geben. Aber, das muss man sagen, oft wird Religion so zu einem Marktprodukt. Man nimmt, was einem gefällt und so mancher weiß auch daraus Profit zu schlagen. Aber diese "Self-Made-Religion" hilft am Ende nicht. Sie ist bequem, aber in der Stunde der Krise lässt sie uns im Stich. Helft den Menschen den wahren Stern zu entdecken, der uns den Weg weist: Jesus Christus.


(deutsch)
"Weil wir ein Brot sind, sind wir viele auch ein Leib", sagt der heilige Paulus. Er will damit sagen: Weil wir den gleichen Herrn empfangen und er uns aufnimmt, in sich hineinzieht, sind wir auch untereinander eins. Das muss sich im Leben zeigen. Es muss sich zeigen in der Fähigkeit des Vergebens. Es muss sich zeigen in der Bereitschaft zu teilen. Es muss sich zeigen im Einsatz für den Nächsten, den nahen wie den äußerlich fernen, der uns angeht.
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Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen
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Wenn wir von Christus her denken und leben, dann gehen uns die Augen auf, und dann leben wir nicht mehr für uns selber dahin, sondern dann sehen wir, wo und wie wir gebraucht werden.
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Ich weiß, dass Ihr als junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet und zuallererst durch das Zeichen Eurer Liebe den Stern entdecken kann, dem wir folgen. Gehen wir voran mit Christus und leben wir uns Leben als wirkliche Anbeter Gottes. Amen."