Düsseldorf: „Letztes heterogenes Viertel Düsseldorfs”: Kunstschau rund um Bahnhof

Düsseldorf: „Letztes heterogenes Viertel Düsseldorfs”: Kunstschau rund um Bahnhof

Die eigenen Gedanken in den Urlaub schicken: Bei den jungen Künstlern Mira Mann und Sean Mullan verwandelt sich das eher trostlose Foyer zwischen der Zentralbibliothek und der Volkshochschule am Düsseldorfer Hauptbahnhof in ein virtuelles Reisebüro.

An dem pfirsichfarbenen Tresen können ihre Kunden ab Samstag (2. Juni) mehrmals pro Woche vertonte Gedichte oder Kurzgeschichten buchen und so „auf der Stelle verreisen” - ohne, dabei in den Zug steigen zu müssen, verspricht Mann. Mehr will sie nicht verraten.

Das „Senso Center” ist eine von insgesamt 18 Arbeiten des Ausstellungsprojekts „Von fremden Ländern in eigenen Städten”, das bis zum 19. August rund um den Düsseldorfer Hauptbahnhof zu sehen sein wird. 20 internationale Künstler wie Paloma Varga Weisz und die Beuys-Schülerin Katharina Sieverding haben sich mit den Perspektiven der Einwohner und den Eigenschaften des Bahnhofsviertels beschäftigt.

„Wie nutzen Menschen diesen Lebensraum?”, sei eine der Kernfragen des 700.000 Euro teuren Kunstprojekts gewesen, das sich mit dem aus seiner Sicht „letzten heterogenen Viertel Düsseldorfs” auseinandersetze, sagt Kurator Markus Ambach. Institutionen wie die Kunststiftung NRW oder die Stadt Düsseldorf fördern die dreimonatige Schau.

Als Schauort nutzen die Kreativen auch eine Boxkneipe, ein Hotel-Spa, das Vordach des Hauptbahnhofs und eine Kulturstätte: Katharina Sieverding hat einen 200 Meter langen Bilderteppich an der Interimsspielstätte des Düsseldorfer Schauspielhauses geschaffen, der wie ein Film am Besucher vorbeizieht.

Die Künstlerin Fari Shams lädt zu einer Audio-Tour an Orte wie den Bertha-von-Suttner-Platz direkt am Ausgang des Hauptbahnhofs ein. Während unzählige Menschen zum nächsten Bahngleis hetzen, ist es dort draußen eher still. „Solche Orte haben keine Identität”, sagt die Künstlerin. Sieben Tonspuren mit Stimmen von ortsansässigen Ladenbesitzern, Obdachlosen oder Managern sollen das ändern: Shams hat die alltäglichen Geschichten und Meinungen ihrer Protagonisten zu einer einzigen Stimme verschmelzen lassen. „So soll ein Bild ohne Vorurteile entstehen”, erklärt die Künstlerin.

Kooperationspartner wie das Schauspielhaus Düsseldorf oder das Literaturbüro NRW begleiten die Schau mit Diskussionen, Workshops und Performances.

(dpa)