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„Let It Be” ganz ohne Geigen: Beatles im Original

„Let It Be” ganz ohne Geigen: Beatles im Original

Hamburg.„Let It Be” ist das Beatles-Album mit der dramatischen Geschichte.

Ursprünglich gedacht als Live-Aufnahme, die eine zerstrittene Band wieder zusammenschweißen sollte, wurde es zum Dokument des Zerfalls und musste schließlich vom Starproduzenten Phil Spector zu Ende gebracht werden. 33 Jahre später, am kommenden Montag, erscheint das Album nun in der Beatles-Originalfassung.

Zwei Tontechniker der Beatles-Plattenfirma Apple verbrachten 18 Monate damit, die alten Bänder neu aufzubereiten. Der auffälligste Unterschied: Das Orchester ist weg.

Nach den ersten Takten von „The Long And Winding Road” setzt es nicht mehr mit der geballten Macht von 18 Streichern und Bläsern ein, es gibt keine rührseligen Geigen mehr im Hintergrund von „Across The Universe”.

Vor allem Paul McCartney war wütend über die von Spector ohne sein Wissen nachträglich eingefügten Orchester-Einlagen. Er fand sie kitschig.

John Lennon und George Harrison hingegen hatten Spector damit beauftragt und standen dahinter. In der neuen CD-Fassung fehlen auch die kurzen Zwischeneinlagen „Dig It” und „Maggie Mae”. Dafür kam die Single-B-Side „Don´t Let Me Down” auf das Album.

Weg sind auch die Dialog-Fetzen am Anfang der Original-Platte. Der Sound ist geballter, lebendiger - und letztlich auch glatter geworden.

Einige Fans werden vielleicht das Raue der alten Version vermissen. Die Entstehung der Platte, die die Beatles Anfang 1969 als „Get Back” aufnahmen und die Welt als „Let It Be” kennt, stand von Beginn an unter keinem guten Stern.

„Get Back” sollte das Album deshalb heißen, später war nur noch vom „Get-Back-Debakel” die Rede. Es begann damit, dass für die Proben und Aufnahmen entgegen ersten Ideen kein Luxusschiff und keine Südseeinsel gebucht wurden, sondern die im Januar bitterkalten Twickenham-Filmstudios.

Die Akustik war untragbar, die ständige Präsenz der Kameras für den begleiteten Kinofilm nervte alle und die Stimmung wurde immer explosiver. Nach zwei Wochen zogen sich die Beatles entnervt in ihr neues Apple-Studio zurück.

Es war als Meisterwerk der Technik konzipiert aber ihr mit dem Aufbau anvertrauter Bekannter „Magic Alex” war wohl überfordert. Die Technik funktioniert nicht richtig und der bewährte Produzent George Martin musste mit seiner mobilen Aufnahmeanlage zur Hilfe eilen.

Damit waren die Beatles wieder bei nur acht Tonspuren gelandet, über die sie nie hinauskommen sollten. Das Ganze gipfelte in dem berühmten Konzert auf dem Apple-Dach am 30. Januar 1969 - dem allerletzten Live Auftritt der Beatles, der nach rund 40 Minuten von der Polizei gestoppt wurde.

Die „Get-Back”- Bänder blieben ersteinmal liegen, ein Teil wurde gestohlen und tauchte erst 30 Jahre später wieder auf, Platte und Film erschienen 1970 bereits nach der Trennung der Band. Für die neue Version wurden alle Songs von den Originalbändern neu abgemischt.

„Ive Got A Feeling” besteht jetzt aus den besten Teilen von zwei Aufnahmen aus dem Dachkonzert, bei „Let It Be” ist ein neues Harrison-Solo dazugekommen. „Get Back” ist kürzer geworden, eine Zeile bei „The Long And Winding Road” wurde geändert.

Ganz wie von den Beatles aufgenommen ist die neue Version trotzdem nicht geworden. Bei „Dig A Pony” fehlen von Spector entfernte Elemente der Originalversion weiterhin. Offen bleibt auch, was die Beatles noch alles aus den Songs hätten machen können, wären sie damals ganz bei der Sache gewesen.