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Duisburg: Lehrer für Toleranz und Offenheit

Duisburg : Lehrer für Toleranz und Offenheit

Als tiefe Verbeugung vor ihrem einstigen Lehrer und Weggefährten ist die Schau „Hommage an Karl Otto Götz” im Duisburger Museum Küppersmühle zu werten.

Acht Künstler, die zum Teil selbst zu Weltruhm gelangt sind, ehren den gebürtigen Aachener Klassiker der Moderne zu seinem bevorstehenden 90. Geburtstag (22. Februar) mit einer Ausstellung ihrer Werke. Sie ergänzen eine gediegene Auswahl von Götz-Bildern aus mehr als 50 Jahren.

Mit dem erst im vergangenen Dezember gefassten Plan zu dieser Hommage kommt das 1999 eröffnete Museum am Duisburger Innenhafen den beiden Aachener Museen Suermondt-Ludwig-Museum und Ludwig Forum zuvor, die am 27. März eine Doppelausstellung zum Oeuvre von Karl Otto Götz eröffnen werden.

Das Museum Küppersmühle beherbergt einen Teil der Kunstkollektion des Duisburger Sammlers Hans Grothe, deutsche Nachkriegskunst, die im Umfeld Karl Otto Götz entstanden ist.

Unterschiedlicher könnten diese acht Temperamente und die Früchte ihres jahrzehntelangen Schaffens nicht ausfallen: Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Rissa, HA Schult, Paul Schwietzke und Franz Erhard Walther.

Alle eint ein wichtiges Kapitel in ihrer künstlerischen Karriere, das sie selbst für entscheidend halten: Anfang der 60er Jahre gehörten sie zur „Klasse Götz” an der Düsseldorfer Kunstakademie.

20 Jahre lang, von 1959 bis 1979, lehrte Karl Otto Götz hier als Professor. Vor drei Tagen verlieh ihm die Akademie die Ehrenmitgliedschaft. In der Begründung heißt es unter anderem: „Seine einmalige ,Lehrkonzeption war so frei, dass sich die unterschiedlichsten künstlerischen Temperamente eigenständig entwickeln konnten.”

Franz Erhard Walther erinnert sich lebhaft an diese Zeit, gerne zitiert er die legendären Worte, die der beliebte Meisters damals zu ihm sprach: „Ich verstehe zwar nicht, was Sie da machen. Aber es ist gut. Machen Sie weiter damit.”

Das ist es denn auch, was Polke und Richter, Schult und Graubner an ihrem „Lehrer” so schätzten: eine unendliche Toleranz und Offenheit zu einer Zeit, in der diese Worte keineswegs zu den Generaltugenden gehörten.

Walther: „Er hat uns mit einer unerhörten Großzügigkeit begleitet und uns gegen Angriffe verteidigt.”

Damit fügten sich bei Götz Persönlichkeit und Werk zu einer beeindruckend konsequenten Einheit: So wie er in seiner informellen Malerei festgefahrene Formen und Farbraster zugunsten eines grenzenlosen Gestaltungswillens zu überwinden suchte, so unterstützte er auch seine Schüler auf ihrem eigenen Weg, die künstlerische Eigenständigkeit zu entwickeln.

HA Schult fasst in seinem Katalogbeitrag die Bedeutung dieser Begegnung zusammen: „Ich ging hinaus in die Welt und habe Karl Otto niemals vergessen. Die Freiheit, die er mir damals als Student gab, wurde Grundsubstanz meiner Kunst. Das Vermitteln dieser Freiheit, ungewöhnlich in der nach neuer Identität gierenden Republik, ist wohl der Grund, dass Karl Otto Götz Lehrer der meisten bedeutenden Künstler meiner Generation wurde. Von ihm habe ich gelernt, Demut zu haben, und Demut ist das höchste Kapital der Kunst.”

Die aktuelle Ausformung seiner Entwicklung dokumentiert HA Schult in der Ausstellung mit einem seiner „Müllmenschen”. Rissa, mit der Götz seit 39 Jahren verheiratet ist - beide leben im Westerwald -, zeigt Porträts aus den 60ern, Gerhard Richter Gemälde aus einer Phase seiner fotoähnlichen Malereien.

Götz selbst, der in siebzig Jahren tausende von Bildern schuf, ist unter anderem mit großen Formaten aus 2003 vertreten, Vitalität versprühende Farb-Eruptionen.
„Hommage an Karl Otto Götz”, ausstllung im Museum Küppersmühle, Duisburg, Philosophenweg 55. Infos unter 0203/30194811.

Dauer: bis 18. April. Geöffnet: Mi. 14-18, Do.-So. 11-18 Uhr. Eintritt: 2 Euro.