Aachen: „Last Night“ bei den Kurpark Classix bietet ungewöhnliches Programm

Aachen : „Last Night“ bei den Kurpark Classix bietet ungewöhnliches Programm

Die kraftvolle „Fanfare for the Common Man“ von Aaron Copland kündigt mit metallischem Weckruf das an, was diesen Abend ausmachen sollte: Orchestermusik auf höchstem Niveau, ausdrucksstark und engagiert ungesetzt vom Aachener Sinfonieorchester unter dem neuen Generalmusikdirektor Christopher Ward.

Die Auswahl der Werke für diesen Abend im Rahmen der Kurpark Classix ist durchaus mutig. Man zieht sich nicht auf das sichere Terrain der Publikumsfavoriten zurück — was allerdings zur Folge hat, dass trotz der Qualität der Aachener Kurpark nicht voll besetzt ist. Der Solist des Abends erweist sich als Könner mit Leidenschaft — Tzimon Barto, Pianist, Dirigent und Autor aus Florida, kommt locker daher. Kein Glamour-Faktor, dafür ein sympathischer, kerniger Virtuose.

Ward lenkt sein Orchester kenntnisreich und sicher durchs Programm. Großes Kinos: Erich Wolfgang Korngolds „Captain Blood Overture“, ein Werk mit Big-Band-Sound, opulent und gefühlig. Da schöpft man aus dem Vollen, darf sich der Zuhörer genussvoll zurücklehnen. Spätestens bei Sergej Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ op. 43 sitzt man allerdings wieder aufrecht.

Der russische Komponist hat dieses Stück aus 24 Variationen 1934 am Vierwaldstätter See komponiert, wobei er wie einen heißen Zustrom das „Dies irae“ der lateinischen Totenmesse ab und zu einfließen lässt. Es heißt, dass das Werk das Ringen des Geigers mit dem Teufel symbolisieren soll — um die Liebe einer Frau. Drama und Glückseligkeit, alles hört man heraus. Denn Tzimo Barto vermittelt durch seinen solistischen Einsatz, wie heftig auch der Pianist mit der Komposition ringen muss.

Die 24 Variationen sind eine Achterbahn der Emotionen und eine enorme technische Herausforderung. Soloinstrumente wie Fagott, Flöte und Klarinette steigen auf, dann wieder umgreift ein breiter Orchesterklang den Klavierpart. Es ist spannend, das Thema immer wieder neu zu entdecken. Da darf es auch mal hingebungsvoll schmerzlich süß sein. Bartos Zugabe gibt den Zuhörern musikalische Schönheit in Vollendung mit auf den Weg — die 18. Variation, die gern im Soundtrack von Filmen verwendet wird.

Mit Antonín Dvoraks Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“ bestreitet das Sinfonieorchester die zweiten Teil des Abends. Das facettenreiche Werk, uraufgeführt 1893 in New York, ist geprägt von Dvoraks Erfahrungen mit indianischer und afrikanischer Musik, die er mit den Klängen seiner böhmischen Heimat zu einer großen Tonsprache verbindet. All das arbeiten Ward und sein Orchester schön heraus.

Und dann fliegen nicht nur musikalisch die Funken: Zu Händels „Feuerwerksmusik“ steigen glitzernd vielfarbige Garben, in den Himmel und lassen Sterne auf Akteure und Publikum regnen. Viel Applaus. Die Kurpark Classix wurden am Montag mit einem Auftritt von Clueso fortgesetzt. Am Dienstag ist dann noch Roger Hodgson zu Gast.

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