Aachen: Kurt-Sieder-Preis für zwei Aachener Schauspieler

Aachen: Kurt-Sieder-Preis für zwei Aachener Schauspieler

Für einen Sommerurlaub und ein neues Fahrrad reicht es dicke. Wie sie ihr Preisgeld „anlegen” möchten, wissen Nadine Kiesewalter und Theo Pfeifer schon. Die beiden Aachener Schauspieler werden für ihre herausragenden Leistungen mit dem gut dotierten Kurt-Sieder-Preis ausgezeichnet.

Das fünfköpfige Kuratorium, das die Preisträger jedes Jahr auswählt, war sich diesmal „total einig”, sagte am Donnerstag die Vorsitzende Annette Bosetti. Theo Pfeifer (58) wird wegen seiner „Glanzleistung” als Anwalt Adam Barklay im Psychodrama „Das Verhör” am Grenzlandtheater geehrt. Da war er „sehr wütend und aufgeregt”, erzählte Bosetti. Offenbar so lebensnah, dass die Journalistin dachte: „Hoffentlich kriegt er keinen Herzinfarkt!” Aber gerade die Menschen, die völlig überfordert sind, „die liegen mir besonders”, meinte der Schauspieler selbst. Aus seiner Zeit im Ensemble des Aachener Stadttheaters (1994 bis 2000) werden den Lockenkopf noch einige in Erinnerung haben: zum Beispiel als Hauptmann von Köpenick. Zuletzt war der Freiberufler am Theater Aachen als Klosterbruder in „Nathan der Weise” zu Gast.

Auch ein Lockenkopf, aber aus einer jüngeren Theatergeneration, ist Nadine Kiesewalter (25). In der vorigen Saison hat sie mit ihrem ersten Engagement am Theater Aachen losgelegt - und als Ronja Räubertochter, Ismene („Antigone”) oder Marie („Woyzeck”) die Blicke auf sich gezogen. Daher wird die zierliche Schauspielerin auch nicht für eine bestimmte Rolle ausgezeichnet, sondern für ihre Gesamtleistung. Dass sie wie ihr Kollege auf der Bühne auch sehr gut Dampf ablassen kann, beweist sie derzeit als zornige Biografie-Bastlerin Ira in Martin Heckmanns Sinnsuche „Hier kommen wir nicht lebendig raus” im Mörgens. Zudem ist sie als Maggie in „Die Katze auf dem heißen Blechdach” und ab 1. Juni als Eve in Kleists „Der zerbrochne Krug” zu sehen.

Für beide Schauspieler ist es der erste Preis - und natürlich freuen sie sich. Obwohl das Preisgeld in diesem Jahr halbiert werden musste - „wegen der ungünstigen Zinsentwicklung”, erklärte Bosetti. Aber mit jeweils 2000 Euro gehöre der Kurt-Sieder-Preis nach wie vor zu den am höchsten dotierten Theaterpreisen.

So wird der gebürtige Pfälzer Theo Pfeifer, der mittlerweile nicht mehr in Aachen, sondern im wallonischen Hombourg wohnt, sich ein neues Rad leisten können. Und Nadine Kiesewalter, die in Leipzig geboren wurde und eine russische Mutter hat, möchte in den Sommerferien ihre Familie in Moskau besuchen.

Die neunte Verleihung des Kurt-Sieder-Preises findet am Sonntag, 13. Mai, 11 Uhr, im Aachener Grenzlandtheater statt. Der Eintritt zur Theatershow mit Beiträgen der beiden Preisträger ist frei. Allerdings müssen Karten an der Kasse des Grenzlandtheaters (Elisen-Galerie) reserviert werden: Tel. 0241/4746111.

Zum Zehnjährigen im kommenden Jahr soll es eine große Gala im Stadttheater geben - mit vielen ehemaligen Preisträgern.

Mit dem Kurt-Sieder-Preis ehrt die gleichnamige Stiftung seit 2003 jährlich „herausragende schauspielerische Leistungen” am Theater Aachen und am Grenzlandtheater. Die Preisgelder stammen aus dem zur Stiftung umgewandelten Vermögen der Eheleute Kurt und Gerda Sieder (1916-2002). Kurt Sieder (1899-1964) war 1945 erster Nachkriegsintendant am Stadttheater und gründete 1950 das Theater im Zimmer, aus dem das Grenzlandtheater erwuchs.