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Kerkrade: Kunststücke eines brillanten Talentes

Kerkrade : Kunststücke eines brillanten Talentes

Begeisternd ist immer wieder die Begegnung mit musikalischen Hochbegabungen in der Nachwuchs-Serie „Orpheo” des Festivals Euriade im Kloster Rolduc.

Auch wenn es sich im Falle der Geigerin Sophia Jaffé noch nicht unbedingt um „Weltklasse” handelt, wie Werner Janssen, der Vorsitzende der Stiftung Euriade, das erfreulich zahlreich erschienene Publikum in seiner Moderation glauben machen wollte, so präsentierte sich die 24 Jahre junge Musikerin doch als eine technisch wie musikalisch erstaunlich gereifte Künstlerin, die zusammen mit den Klavierpartner Björn Lehmann die Zuhörer in ihren Bann zog.

Die beiden überzeugten zunächst mit einer schlüssigen, „modernen”, in den langsamen Sätzen sorgfältig artikulierten, in den schnellen Sätzen federnden, rhythmisch-pointierten Wiedergabe der Sonate c-Moll für Violine und Klavier von Johann Sebastian Bach.

Aspekte historisierender Aufführungspraxis wie zum Beispiel ein sorgsam dosiertes Vibrato der Geigerin fanden durchaus Eingang in die Interpretation. Gewöhnungsbedürftig waren die Tempomodifikationen in den schnellen Sätzen, mit denen Zäsuren bei Kadenzbildungen betont werden sollten.

Warme Tongebung

In Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 3 Es-Dur aus op. 12 gelang es den beiden jungen Musikern vorzüglich, die konzertante und rhythmische Energie der Ecksätze zum Leben zu erwecken, wobei Björn Lehmann wie schon in der Bach-Sonate zwar technisch sehr versiert, aber bisweilen klanglich etwas robust agierte. Mit warmer Tongebung gestaltete Sophia Jaffé den herrlichen langsamen Satz und wurde dabei Beethovens Anweisung „con moltespressione” in hohem Maße gerecht.

Virtuos ging es zu im zweiten Teil. Virtuosen Zuschnitt hat die 1. Sonate d-moll von Camille Saint-Sa’ns, erst recht die beiden zur Aufführung gelangenden Stücke des Spaniers Pablo Sarasate.

Die formal eigenwillige Sonate bietet beiden Partnern genügend Spielraum, spieltechnische Fertigkeiten zu präsentieren, so zum Beispiel bei den rasenden Sechzehntel-Passagen des Finales, die im Zusammenspiel mustergültig abliefen. Insgesamt eine reife Wiedergabe des gesamten komplexen Werkes, die imponierte.

In der „Caprice basque” und in dem „Zapateo” von Sarasate ist das Klavier nicht mehr Stichwortgeber für den auf äußere Brillanz und die Darstellung zirzensischer Künste à la Paganini angelegten Violinpart.

Sophia Jaffé blieb den spektakulären Kunststücken nichts an technischer Souveränität schuldig.

In die große Virtuosen-Attitude muss sie allerdings noch hineinwachsen. Das Publikum war hingerissen uznd spendete den jungen Künstlern in Rolduc begeistert Applaus.