Neue Kunstschau: "Trigger Torque" im Ludwig Forum Aachen

Neue Ausstellung im Ludwig Forum Aachen : Bilderbogen aus Himmel und Hölle

Es ist die erste Schau der US-amerikanischen Künstlerin in Deutschland. Zu bestaunen ist ein komplexes Werk über Wünsche und Werbeversprechen, über Konsum und Kolonisierung, über Rollenbilder und Rassismus.

Ein Film bildet das Herzstück der neuen Ausstellung im Aachener Ludwig Forum: Er erzählt von Schönheit und dem Verlust der Natur. 15 Minuten lang geht es in fluffiger Aquarelltechnik vorbei an Wiesen und Wäldern, über Hügel und Täler. Eine Sonntagsfahrt im Paradies. Oder etwa nicht? Denn was im pastelligen Walt-Disney-Stil beginnt, endet in verbrannter Erde, Düsternis, einem Weltraumszenario. Was ist passiert? Was war der „Trigger Torque“, das auslösende Moment? Es war das Auto.

So sieht es jedenfalls Danielle Dean, die diesen Animationsfilm und die dazugehörige umfangreiche Installation „Fordland“ eigens für die Ausstellung in Aachen geschaffen hat. Es ist die erste Schau der US-amerikanischen Künstlerin in Deutschland überhaupt, und zu bestaunen ist ein komplexes Werk über Wünsche und Werbeversprechen, über Konsum und Kolonisierung, über Rollenbilder und Rassismus, über Himmel und Hölle.

Die 37-Jährige bedient sich dabei einer Bildsprache mit vielen spannenden Ebenen – Zeichnungen, Videos, Collagen und riesige, an Popup-Books erinnernde Pappaufsteller sind die Folien, auf denen sich die Orte und Erzählungen ihrer Arbeiten ebenso überlagern wie Vergangenheit und Gegenwart. Deans künstlerischer Impetus speist sich dabei aus kritischen Gedanken und umfangreicher Recherche. Für „Fordland“ stieg sie beispielsweise tief in die Archive der Ford Motor Company in Detroit, um anhand alter Werbeanzeigen Mythos und Wahrheit des American Dream nachzuspüren.

Die Frage nach dem Wie und Warum von sogenannten Gewissheiten verhandelt die Künstlerin, die Stipendiatin verschiedener großer internationaler Kunsteinrichtungen war, in jedem ihrer Werke. Immer wieder zerpflückt Dean überkommene Bilder und (Werbe-)Botschaften und setzt sie in neue Kontexte. Zu sehen auch in zwei weiteren Installationen im Lufo: „Bazar“ stellt das in alten Warenkatalogen manifestierte Idealbild eines französischen „savoir vivre“ in krassen Gegensatz zur Lebenswelt junger Französinnen aus den Banlieus. In „True Red Ruin“ begibt sich Dean auf die Route des transatlantischen Sklavenhandels, indem sie ein altes Fort in Ghana „auseinandernimmt“ und die Backsteinhäuser von Afroamerikanern dagegensetzt.

Danille Deans Kunstwerke kommen vordergründig als bunter Bilderbogen daher. Doch dahinter verbergen sich jede Menge Botschaften, die zum Entschlüsseln einladen – vielleicht bei einer Führung.