Kunst- und Kulturzentrum: Große Fotokunst im kleinen Monschau

Kunst- und Kulturzentrum: Große Fotokunst im kleinen Monschau

Ihm haben wir es also zu verdanken, dass das beschauliche Eifelörtchen Monschau seit Jahren internationale Fotokunst vom Feinsten ausstellen kann. Dem mittlerweile 85-jährigen Star der Dokumentarfotografie aus New York: Bruce Davidson. Er war es, der bei einem zwölfjährigen Mädel in den 70er Jahren eine „obsessive Leidenschaft“ für die Fotografie weckte.

Und zwar mit seiner Serie „Brooklyn Gang“, Bildern von halbstarken, jungen Leuten, die Ende der 50er in New York selbstbewusst mit Tätowierungen und Zigaretten posen, aber nicht nur Coolness, sondern auch Verletzlichkeit offenbaren. Mit diesen intimen Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurde Bruce Davidson der Lieblingsfotograf von Nina.

Die damals Zwölfjährige trägt inzwischen den Doppelnamen Mika-Helfmeier, ist Kulturbeauftragte der Städteregion Aachen, und als künstlerische Leiterin von deren Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau hat sie nun eine große Ausstellung ihres Lieblingsfotografen ergattert. In der „New York Times“ habe sie gelesen, dass er bereit sei, seine Retrospektive an vier Orten in Europa zu präsentieren. Die ebenso charmante wie hartnäckige Kulturmanagerin bewarb sich – und erhielt, unterstützt durch die renommierte Foto-Agentur Magnum in Paris, neben Bilbao, Rotterdam und Wien den Zuschlag für Monschau.

So ist ab 7. April „einer der besten Fotografen der Welt“ im Kuk zu entdecken. Seine Bilder von kleinwüchsigen Zirkusclowns oder schwarzen Freiheitskämpfern der US-Bürgerrechtsbewegung wurden zu Ikonen. Die Schau mit rund 200 Schwarz-Weiß-Arbeiten soll einen Überblick über das Gesamtwerk des US-Amerikaners bieten, der schon mit zehn seine eigene Dunkelkammer hatte und nun seit 60 Jahren für Magnum auf den Auslöser drückt.

Mit Tattoo und Kippe am Strand von Coney Island: Auch die Serie „Brooklyn Gang“ (1959) von Bruce Davidson wird im Kuk ab 7. April zu sehen sein. Foto: ©Bruce Davidson / Magnum Photos/Bruce Davidson

Nina Mika-Helfmeier hofft, dass der Mittachtziger, der als introvertiert gilt und selten Interviews gibt, vielleicht die beschwerliche Reise aus New York nach Monschau antritt und „das Image des Kuk als Fotografie-Forum in der Provinz“ noch weiter aufpoliert werden kann. „Oder: In der ländlichen Region heißt das, glaube ich“, korrigiert sie sich bei der Vorstellung des Jahresprogramms mit einem Grinsen zum neuen Städteregionsrat Tim Grüttemeier, der erstmals den erfreulichen Job hatte, die Kuk-Ausstellungen anzukündigen und die Zahl von 32.000 Besuchern 2018 zu preisen. „Klingt schöner als Provinz“, findet Grüttemeier und lobt das Engagement Mika-Helfmeiers, „diese Stars, in das kleine Monschau zu holen“.

Denn die Kulturfrau, die mit dem Begriff Provinz „gar keine Probleme hat“, hat einen weiteren Szene-Promi dorthin gelockt: Aus New York zum Besuch angekündigt hat sich der einflussreiche Kunsthändler Howard Greenberg. Ebenfalls als Deutschland-Premiere wird er aus seiner Sammlung 120 Arbeiten von 60 berühmten Fotokünstlern wie Man Ray und Horst P. Horst, Annie Leibovitz und Helen Levitt. präsentieren – „Sternstunden-Fotografie“ des 20. Jahrhunderts.

Einen kürzeren Weg nach Monschau hat Barbara Klemm, die mehr als 40 Jahre für die „FAZ“ nach dem richtigen Augenblick suchte. Bei ihr zu Hause in Frankfurt hat Mika-Helfmeier Fotos gesichtet und einen Blick auf die deutsch-deutsche Geschichte geworfen. 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer soll die Ausstellung „Bilder aus aus einem vergangenen Land“ rund 130 Arbeiten von der „Foto-Chronistin der Einheit“ Barbara Klemm und verschiedenen ostdeutschen Kollegen bieten – als Fortsetzung der Schau aus dem Vorjahr.

Noch schneller im Kuk sind die 13 Profi-Fotografen aus der Region, die sich 2017 im „Shift“-Netzwerk zusammengeschlossen haben und nun ihre erste Gruppenausstellung zeigen. Da hängen dann etwa Fußballfans mit Ringelschal von Carl Brunn neben Frauenporträts in Meistermaler-Manier von Hugo Thomassen oder digitalen Chaos-Collagen von Manja Schiefer und Marco Röpke. Bevor es ab 17. Februar losgehen kann, ist das Haus an der Rur noch geschlossen, da kleinere Reparaturen anstehen. Auf frisch gestrichenen Wänden kann die Fotokunst dann besonders eindrucksvoll wirken. Einen Ausblick gewährt schon jetzt die neu gestaltete Internetseite.

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