Kunst im Büro zeigt gesellschaftlichen Wandel

Ausstellung in Kornelimünster : Was die Kunst im Büro über die Gesellschaft aussagt

Eine Ausstellung namens „Büro komplex“ in Kornelimünster zeigt ab dem 27. Oktober, mit welchen Kunstwerken Behörden gerne ihre Amtsstuben schmücken.

Reißerisch ist der Titel nicht gerade. „Büro komplex“ klingt eher nach Aktenordnern, Wartemarken oder Posteingangsstempeln. Tatsächlich macht die Ausstellung im Kunsthaus NRW am Beispiel der Dekoration von Amtsstuben einen gesellschaftlichen Wandel sichtbar, indem sie Kunst und Verwaltung mit der Büro-Klammer zusammenhält.

Beides hat auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun. Die Bürokratien basiere schließlich darauf, „dass Regeln genau eingehalten werden“, erklärt Kunsthaus-Leiter Marcel Schumacher. Künstler aber arbeiten meist nicht nach Verordnungen.

In Schumachers Haus am Abteigarten in Aachen-Kornelimünster kommt beides aber zusammen, und zwar ganz pragmatisch. Die ehemalige Reichsabtei - als solche einst selbst Verwaltungssitz - beherbergt mit dem Kunsthaus auch eine Art Artothek des Landes. Sie verwaltet seit den 1990er Jahren die Kunstwerke der Sammlung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft, die vor 70 Jahren gegründet wurde, um Künstler durch den Ankauf ihrer Werke zu unterstützen, Die Arbeiten werden verliehen an Ministerien und Landesbehörden.

Aktuell schmückt auch NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen ihr Büro mit einer Skulptur aus Kornelimünster. Vielleicht wird das Pferdchen bei ihr ebenso verhätschelt wie einst die „Liegende Kuh“ des Bildhauers Ewald Mataré. Die war vor Jahrzehnten an die Düsseldorfer Staatskanzlei ausgeliehen worden, wo man wohl eine innige Beziehung zu ihr pflegte, „Hier sieht man, dass die Patina ganz abgestreichelt ist“, sagt Schumacher, der das Werk stilecht auf einem Schreibtisch aus den 1950er Jahren präsentiert.

In diesen Zeiten war das Verhältnis von Behörden zur Kunst ansonsten eher von Vorsicht geprägt. Ausgeliehen wurden vorzugsweise Stillleben, erklärt der Kunsthaus-Leiter, „die galten als unverfänglich“. Abstrakte Kunst bleib lange im Depot, bevor sie es als Leihgabe in die Amtsstuben schaffte. Als in den 1980ern Verwaltung als modernes Management propagiert wurde, dokumentierten Behördenleiter dann gerne die von ihnen geforderte Kreativität mit expressiver Malerei.

Präsentiert wird solche Kunst in ihrer damals natürlichen Umgebung: Der gläserne Schreibtisch und Möbel aus Chrom und Leder gehören zu der einen Epoche, zu einer anderen die klassische Vorzimmerausstattung mit Schreibmaschine und Diktiergerät.

Und wie die Zukunft der Bürokratie aussehen könnte, kann in Kornelimünster auch besichtigt werden. Der Rundgang endet mit einer Installation, die ein menschenleeres Büro zeigt, indem zwei Computer sich gegenseitig etwas erzählen.

Ob sich solche kühlen Rechner wohl noch Kunstwerke in Kornelimünster ausleihen?

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