Aachen: Kunst der Dosierung trifft Talent zur Verwandlung

Aachen: Kunst der Dosierung trifft Talent zur Verwandlung

Sie hat als Marianne in Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ das Publikum des Grenzlandtheaters bewegt. Er ist erst seit der Spielzeit 2017/2018 Ensemblemitglied am Theater Aachen, wo er als unkonventioneller Franz Mohr in Friedrich Schillers Werk „Die Räuber“ und als Goethes Werther faszinierte.

Friederike Pöschel und Alexander Wanat heißen die diesjährigen Träger des Aachener Kurt-Sieder-Preises, der zum 17. Mal verliehen wird.

„Herausragende schauspielerische Leistungen“: Alexander Wanat und Friederike Pöschel werden ausgezeichnet. Foto: Gregory B. Waldis, Marie-Luise Manthei

Die durch die Kurt-Sieder-Stiftung getragene Auszeichnung „für herausragende schauspielerische Leistungen“ an Grenzlandtheater und Theater Aachen ist mit jeweils 2000 Euro dotiert. Der Preis erinnert an Kurt Sieder, der 1945 zunächst den Spielbetrieb des Theaters aufgebaut hat und später das Grenzlandtheater („Theater im Zimmer“) gründete. Die Preisträger ermittelt eine Jury. „In diesem Jahr war man sich schnell einig“, berichtet Ralf Wagemann, Vorstand der Kurt-Sieder-Stiftung. Juryvorsitzende Annette Bosetti, Journalistin aus Aachen, konnte ihm nur zustimmen. „Es war ein guter Griff des Theaters Aachen, Alexander Wanat ins Ensemble zu holen“, betont sie. „Er ist ein jugendlicher Held und zugleich ein Antiheld, sein musikalisches Talent ist beeindruckend.“ Was ihn auszeichne, sei eine „Form von Dringlichkeit“, mit der er agiere.

Ähnlich lässt sich auch die Entscheidung für Friederike Pöschel begründen. Die Berlinerin sei der Jury in den „Szenen einer Ehe“ durch ihr „präzises Spiel“, die Kunst der „Dosierung“ aufgefallen. Das bestätigt auch Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters: „Sie vermittelt eine Echtheit, die man sich ganz besonders für diese Rolle wünscht.“ Ihr Debüt gab Friederike Pöschel am Düsseldorfer Schauspielhaus als Miranda in Shakespeares „Sturm“ Neben ihren Engagements liegt ihr zudem die freie Szenen in ihrer Heimatstadt Berlin am Herzen.

Stolz ist Michael Schmitz-Aufterbeck, Generalintendant des Theaters Aachen, auf „seinen“ Preisträger: „Alexander Wanat ist erstaunlich wandelbar, kann gut mit Sprache umgehen, obwohl er seine Karriere erst startet.“ In Schillers „Räubern“ habe er zudem bewiesen, dass ihm selbst „menschliche Abgründe“ vertraut sind und er theatralisch überzeugend „ausrasten“ könne. Der Schauspieler, der gleichzeitig ein begabter Cellist ist, stammt aus Düsseldorf und hat in Berlin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert, wo auch Friederike Pöschel ihr Diplom erworben hat.

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