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Köln: Kunst-Austausch der Superlative

Köln : Kunst-Austausch der Superlative

Einen ganz neuen Weg in der Museumspolitik beschreiten das Kölner Museum Ludwig und das Münchner Lenbachhaus in diesen Tagen.

Sie tauschen vom 13. März bis zum 27. Juni zentrale Bestände nahezu komplett untereinander aus. Während aus München der „Blaue Reiter” an den Rhein reist, schickt Köln seine Picasso-Sammlung an die Isar.

Noch nie sind diese Kunstschätze in einem solchen Umfang ausgeliehen worden. Das Austausch-Projekt gilt nicht nur als kulturpolitisch innovatives Modell, sondern auch als Markstein eines neuen Stadt-Marketingkonzeptes, das von zahlreichen Kooperationspartnern aus dem Tourismus-, Wirtschafts- und Medienbereich unterstützt wird.

Für München bedeutet der Austausch, dass hier nach zwei Jahrzehnten wieder die erste umfangreiche Picasso-Ausstellung zu sehen ist, die sein Werk durch alle Lebens- und Schaffensphasen hin dokumentiert.

Im Gegenzug erhält Köln die erste umfassende Retrospektive über die Künstlergruppe des „Blauen Reiters” überhaupt. Seit der ersten legendären Schau 1911 in München, die 1912 Station in Köln machte, fanden hier nur vereinzelt Ausstellungen zu den beteiligten Künstlern statt.

Mit Schmerzen im Herzen mag man von Aachen aus diese bahnbrechende Wechsel-Ausstellung betrachten, immerhin wurzelt hier gewissermaßen die eine Hälfte des ganzen Projektes: Bei den Picassos handelt es sich um die Schenkung des Aachener Sammlerehepaars Irene und Peter Ludwig, durch die das Museum Ludwig in Köln mit einem Schlag in den Besitz der drittgrößten Picasso-Sammlung der Welt gelangte - an die 800 Arbeiten des Jahrhundertkünstlers, 180 Originalwerke, darunter sechs Hauptwerke aus der Spätphase, rund 600 Druckgrafiken sowie zahlreiche Skulpturen und Keramiken.

Der letzte Streich

Allein die Familienstiftung Picassos verfügt heute über weitreichendere Sammlungen des berühmten Basken. Nur in Barcelona und in Paris sind umfangreichere Ausstellungen Picassos zu sehen.

Die Picasso-Schenkung war 1994 Peter Ludwigs letzter kulturpolitischer „Streich”, war sie doch an die Auflage gebunden, das Wallraf-Richartz-Museum aus dem Kölner Museumskomplex auszugliedern und das Museum Ludwig fortan komplett der modernen Kunst zu widmen.

Aachen hatte keine vergleichbare Chance auf eine solche Picasso-Schenkung oder auch nur -Dauerleihgabe der Ludwigs, nachdem sich die Stadt nie zu einem Museumsneubau durchringen konnte und statt dessen den Umbau der alten Schirmfabrik zum Ludwig Forum favorisierte.

Das alte Gemäuer, selbst heute noch technisch weit entfernt von einem modernen Museum, ist allein schon aus konservatorischen Gründen nicht in der Lage, kostbare Kunstwerke wie Picasso-Gemälde aufzubewahren.

Nun haben eben die Münchener die Gelegenheit, alle Werkphasen des Künstlers und fast sämtliche seiner Techniken zu bewundern, angefangen mit einem Frühwerk des 18-Jährigen und endend mit einer der letzten Arbeiten des greisen Picassos, einem Selbstporträt.

In Köln werden 65 hochkarätige Gemälde des Blauen Reiters zu sehen sein, darunter 28 Hauptwerke von Wassily Kandinsky, sieben von Franz Marc und elf von Gabriele Münter.

Zu den Höhepunkten zählen Kandinskys „Reitendes Paar” (1906), Franz Marcs „Blaues Pferd I” (1911) und „Der Tiger” (1912) sowie August Mackes „Zoologischer Garten I” (1912).
„Der Blaue Reiter in Köln”, Ausstellung im Museum Ludwig, Köln. 13. März bis 27. Juni.

Geöffnet: Di.-Do. 10-18, Fr. 11-18, Sa./So. 10-18 Uhr. Eintritt: 7,50, erm. 3,80 Euro. Führungen Do. 16.30, So. 15 Uhr. Katalog 30 Euro.