Köln: Kunst als kalkulierter Tabubruch

Köln: Kunst als kalkulierter Tabubruch

Eigentlich wäre es ja ganz einfach. Sex sells, könnte man sagen, und damit Lady Gaga in einem Satz abhaken. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Zumindest nicht nach dem Konzert, dass die 23-Jährige im ausverkauften Kölner Palladium vor einem hingerissenen Publikum gab.

In ihrer Rolle als Lady Gaga, einer Dame, die keine ist und ihren Namen angeblich einem Stück von Queen („Radio Gaga”) entlehnt hat, ist die Sängerin aus New York so blond wie Donatella Versace, so vulgär wie Peggy Bundy und so stilbildend wie die junge Madonna. Die ebenso streng katholisch erzogen wurde, um mit knappen Outfits und exhibitionistischen Auftritten dagegen zu rebellieren.

Lady Gagas (selbst entworfene) Bühnenkostüme wirken wie eine Mischung aus dem Modejournal für Außerirdische, pervertiertem Disney-Comic und einer Ballett-Schneiderei, in der der Stoff knapp geworden ist. Viel Glitzer, Latex und Geometrie. Breite Schulterpolster, wippende Röckchen, Maskerade. Ein Geschöpf, wie aus der PopArt-Factory entsprungen und mit Ziggy Stardust zum avantgardistischen Tanztee verabredet, das sich entschlossen hat, auf der Bühne Künstlerin und Kunstwerk zugleich zu sein und seine Performance als audio-visuellen Tabu-Bruch zwischen Tanz-Theater und Table-Dance zu inszenieren.

Als Inspiration nennt Stefani Joanne Angelina Germanotta, wie die Tochter italo-amerikanischer Eltern mit bürgerlichem Namen heißt, die Auftritte von Queen und David Bowie und gibt sich als Verehrerin von Andy Warhol und der Bauhaus-Bewegung zu erkennen.

Dass „Poker Face”, das mit seiner eingängigen Trash-Pop-Rhythmik und dem nicht minder gut in den Gehörgängen haftenden Titel zum Nummer-1-Welthit wurde, das Konzert nach gut 70 Minuten als furioses Finale abschließt, hätte man sich eigentlich ausrechnen können.

Die Performerin mit dem platinblonden Pagenkopf bringt es zu Anfang fast gospelartig getragen rüber und begleitet sich selbst am Piano, in einer, zugegeben, einmal mehr sehr exzentrischen Pose: auf dem Klavierhocker stehend, die kaum verhüllten Pobacken hoch in die Luft reckend.

Von solchen Spielereien, zu denen auch die erotisch aufgeheizten Choreografien mit ihren Tänzern gehören, abgesehen, kann die Lady stimmlich durchaus überzeugen. Dass es eben nicht nur der Sex ist, der sich da gut verkauft, beweist sie bei „Brown Eyes”, „Boys, Boys, Boys” oder einer sehr intensiven a-capella-Version von „Willkommen” aus „Cabaret”.

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