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Aachen: Kulturgeschichte in Edelmetall

Aachen : Kulturgeschichte in Edelmetall

Wahrhaft fürstlich, was das Aachener Couven-Museum ab Freitag präsentiert: sage und schreibe 300 europäische Goldschmiedearbeiten aus drei Jahrhunderten, der Zeit zwischen 1560 und 1820.

Von der herrschaftlichen Schnupftabakdose über edle Humpen bis zur Reisepistole reichen die in Gold und Silber gewirkten Preziosen. Die Schau umrahmt die vom 14. bis zum 23. März in Maastricht stattfindenden Kunstmesse The European Fine Art Fair (TEFAF) und findet auch in deren Katalog eine angemessene Würdigung.

Ein Kenner der europäischen Goldschmiedekunst hat die 300 Objekte zusammengestellt, die in dieser opulenten Form bislang noch niemals ausgestellt wurden und eher in Privatsammlungen schlummerten: der ehemalige Chefradiologe eines Rotterdamer Klinikums, Dr. István Heller.

Aus seiner profunden Feder stammt auch der 206-seitige Katalog (Hirmer Verlag München, 55 Euro) der nach Worten von Museumsdirektor Ulrich Schneider als einschlägiges Handbuch weit über die Dauer der Ausstellung hinaus Bestand haben wird.

Experte Heller ist es gelungen, in den zahlreichen Vitrinen ganze Ensembles an Kostbarkeiten in ihren jeweiligen Gebrauchszusammenhängen zusammenzustellen. Wobei nur die erlesensten Objekte, was Ästhetik, Herkunft und Meisterschaft ihrer Schöpfer angeht, Eingang in die Ausstellung fanden. Viele davon sind in höfischem Auftrag entstanden.

Und so finden sich Rubinglas-Kännchen in vergoldeter Silberfassung, kunstvoll geschaffen in Augsburg um 1700, genauso wie Prunkteller aus Siebenbürgen, Gewürzfläschchen aus Oberungarn oder Kannen aus Rubinglas, mit denen sich die Großherzöge von Baden umgaben.

Die goldenen Humpen zierte ein oftmals fein gewirkter Deckel, was annno dunnemals einen hoch geschätzten praktischen Wert hatte: Die Herrschaften pflegten ihr Bier im Gegensatz zu heute warm einzunehmen, der Deckel verhinderte ein allzu rasches Auskühlen.

Kulturgeschichte in ihren subtil-kuriosen Ausprägungen offenbart sich in manchen Stücken. Der distinguierte Raucher des Jahres 1730 in Amsterdam etwa nutzte einen edelmetallenen, mit Akanthusranken und stilisierten Blüten verzierten „Pijpkomfoor”, eine Schale auf drei Füßen zur Aufbewahrung von glühender Holzkohle, um sich damit und einer miniaturisierten silbernen Kaminfeuerzange den Tabak der Pfeife anzuzünden.

Um nicht zu verpassen, was die Stunde gerade geschlagen hat, leistete man sich im Schwäbischen um 1765 eine Tabakdose mit eingebauter, bis heute hin funktionstüchtiger Uhr.

Die reiche Ornamentik eines ziselierten goldenen Bechers hingegen, offenbart Experte István Heller, entstammt keineswegs allein ästhetischen Erwägungen des jeweiligen Goldschmieds, sondern eher ganz handfest-praktischen: Ein oberflächlich geriffelter Becher lässt sich schlichtweg besser packen von einem angesäuselten Schlemmer mit fettigen Fingern...