1. Kultur

Brüssel: Kulturell ist der Europa-Nachbar ein Fremder

Brüssel : Kulturell ist der Europa-Nachbar ein Fremder

Wie kann Europa jenseits der Paragraphen und Verordnungen eine Einheit werden? Dieser Frage widmete sich ein prominent besetztes Forum im Europäischen Parlament.

Die jährliche Diskussionsveranstaltung des WDR fand zum zweiten Male im Europäischen Parlament statt und präsentierte dem internationalen Forum mit „Solino” einen passend deutsch-europäischen Film.

„Es gibt kein europäisches Volk, aber eine europäische Öffentlichkeit der Medien”, lautete der Denkansatz. Doch die Tatsache, dass der europäische Zuschauer in Kino und Fernsehen nahezu ausschließlich Produktionen aus dem eigenen Land und den USA sieht, kümmert Kulturpolitiker und Medienmacher.

Der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen lehnte jedoch dirigistische Eingriffe ab und setzte auf internationale Koproduktionen. Die Filmstiftung NRW war als zweitgrößter europäische Filmförderer - nach dem französischen CNC - prominent mit seinem Geschäftsführer Michael Schmid-Ospach vertreten, der die gleiche Richtung vorgab.

Geld zum Filmemachen gibt es zwar noch, aber kein Publikum: Sowohl im Fernsehen als auch im Kinos bewegt sich der Anteil der Produktionen aus anderen europäischen Ländern im einstelligen Prozentbereich ganz unten. Die älteren Herren erinnerten sich wehmütig daran, dass der französische Film einst einen festen Platz im deutschen Kulturleben hatte.

Noch bevor Fatih Akin mit seinem neuen Film „Solino”, der Geschichte italienischer Gastarbeiter im Ruhrpott, das internationale Forum begeisterte, erfreute er - als einziger - mit erfrischend klaren und kurzen Statements.

Er brachte die Quote ins Spiel, doch eine Quotierung, wie sie im französischen Fernsehen und teilweise auch im Kinobereich stattfindet, wurde vehement abgelehnt. Klar, die Senderchefs lassen sich nicht gerne in ihr Programm reinreden, und die Förderungstöpfe würden dann neu verteilt, mit ungewissem Ausgang.

Michel Rocard, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur des Europäischen Parlaments, entwarf in fast fantastischer Fernperspektive ein Europa der Vielsprachigkeit und grenzte Film deutlich von Produkten wie Bananen ab.

Einen komfortablen Standpunkt hatte nur Jobst Plog, der als Präsident des Kultursenders Arte einem lebendigen europäischem Austausch-Programm vorsteht.

Allerdings übernimmt er nächstes Jahr den ARD-Vorsitz von Pleitgen und kann hoffentlich europäischen Geist in die Sender bringen, die sich kürzlich damit hervortaten, die Fremdsprachenprogramme im Hörfunk zu streichen.