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Aachen: Krise im Goldrahmen

Aachen : Krise im Goldrahmen

Hinein in die gute Stube werden die Zuschauer gleich zu Anfang gebeten - wo sie Mutter und Tochter im verbalen Clinch erleben. In Charles Copenhavers kongenialer Bühneninstallation, einem riesigen Goldrahmen, können sich „lebende Bilder” effektvoll entfalten.

Der amerikanische Autor Michael McKeever sucht im lockeren Gefüge seiner „Nabelschnüre” alle Klischees von Mutterliebe, -leid und -freud„ zu zertrümmern, indem er die Beziehungen von Müttern und Kindern kräftig überspitzt.

So auch zu Beginn, als die wohlmeinende Mama für ihre genervte Tochter immer nur „dein Bestes” will. Tochter Angie (Martine Schrey) hat sich von ihrer Lebensgefährtin getrennt und sich neu verliebt: In einen Mann!

Die Mutter (Gudrun May) ist entsetzt. Hat sie doch Jahre gebraucht, um die lesbische Beziehung ihrer Tochter zu akzeptieren. Und nun das. Die Überleitungssongs werden elegant am digitalen Piano begleitet - von dem wunderbaren Jens-Uwe Fiebig, der nicht zum ersten Mal Gast im Grenzlandtheater ist.

Im „Akt der Reue” treffen Beichtvater und reuiger Sünder aufeinander. Obwohl von Wolff von Lindenau und Serdar Ilbuga tadellos gespielt, zündet die Geschichte vom junge Mann, der um Vergebung bittet, weil er seine todkranke Mutter nicht erlöst hat, und dem Priester, der ihm die Absolution verweigert, weil er „nichts getan” hat, nicht so recht.

Ähnlich ist es bei „Unsinkbar”, einer schrägen Titanic-Szenerie. Beeindruckend wiederum die Schauspieler, hier Ruth Hornemann und Wolff von Lindenau als snobistisches Elternpaar sowie Martine Schrey und Serdar Ilbuga, doch der abgründige Humor geht leider baden.

Regie führte Intendant Manfred Langner, der mit Tochter Kim die „Nabelschnüre” ins Deutsche übersetzte. Die deutschsprachige Erstaufführung hat allerdings immer wieder gute Momente. Für Kostüme sorgte Heike M. Schmidt. Freundlicher Applaus zum Ende der Saison.

Weitere Vorstellungen (Beginn 20 Uhr) im Haus in der Elisen-Galerie, täglich bis 28. Juni, danach in der Region. Karten 0241/4746-111.