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Aachen: Krebsberatung kämpft um ihre Unabhängigkeit

Aachen : Krebsberatung kämpft um ihre Unabhängigkeit

Ein große Position würde sie im Etat des Landes nicht. Aber dass die „Unabhängige Krebsberatung” überhaupt eine eigene Kostenstelle im Haushalt des Landes wird, dafür kämpfen die 17 Krebsberatungsstellen.

Aus zwei Gründen: Zum einen würde so die Regierung in Düsseldorf der Unabhängigkeit dieser Beratung politischen Rückhalt geben, anerkennen, dass sie hinter dieser Form der Hilfe für Krebspatienten und deren Angehörige steht - so wie es die Regierung des Freistaates Sachsen bereits macht. Zum anderen ist das Geld schlicht ein Teil der Finanzierung der Beratungsstellen.

Helga Ebel, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Krebsberatungsstellen NRW und seit 25 Jahren in der Aachener Stelle tätig: „Wir können nicht anfangen, uns über Gebühren zu finanzieren, dann würde nur denen geholfen, die es sich leisten können.”

Konkret wollen die Beratungsstellen im Landeshaushalt des nächsten Jahres mit 250.000 Euro berücksichtigt werden. Bei 17 Stellen macht das knapp 15.000 Euro für jede. Mit diesem Geld sollen ehrenamtliche Berater ausgebildet werden, die dann neben den 17 mit festen Einrichtungen ausgestatteten Städten über die vielen Selbsthilfegruppen auch flächendeckend und für Hilfesuchende ortsnah beraten können.

Der Landeszuschuss wäre Teil einer Finanzierung, die von den Kommunen, der Sozialversicherung und aus Spenden und Beiträgen der Trägervereine (in Aachen zum Beispiel 22 Selbsthilfegruppen) getragen wird. Bislang hilft das Land nur bei Einzelanträgen und in abnehmendem Umfang, 2006 zum Beispiel mit 5000 Euro für alle 17 Stellen zusammen.

Aber, wie gesagt, die Finanzierung ist nur der eine - wenn auch triftige - Grund. Die Unabhängigkeit der Beratung der andere. „Nur wenn das Geld weder von der Industrie, noch den Krankenkassen oder Ärzten kommt, ist zu garantieren, dass zum Beispiel Medikamenten- oder Therapieempfehlungen unbeeinflusst sind”, sagt Ebel.

Ein konkretes Beispiel aus jüngster Vergangenheit hat sie parat: digitale Mammographie-Geräte. „Per Zufall sind wir auf eine Untersuchung gestoßen, dass einige Modelle bestimmter Hersteller, mit einer so hohen Strahlendosis arbeiten, dass sie das Krebsrisiko sogar erhöhen. Es gibt Geräte, die den Vermerk tragen ,Nur in Deutschland zugelassen - das kann doch nicht sein.”

Diese Untersuchung wurde veröffentlicht, ins Internet gestellt und überall mit Nachdruck herumgereicht. Ergebnis nach hartnäckigem Ringen: Die beanstandeten Geräte sollen per Gesetz vom Markt. Aber es hat heftige Proteste der Hersteller gegeben, Beschwerden von Ärzten, die solche Geräte gekauft haben und nun Patientinnen verlieren, weil die dank Informationen diese Geräte meiden.

Und - makaberer Weise - gibt es auch Einwände von Pharmaunternehmen. Ebel: „Diese Beschwerden konnten wir nur deshalb hinnehmen, weil wir von keiner dieser Seiten Geld bekommen, um das wir fürchten müssten, oder das an Bedingungen geknüpft wäre.” Ihr klarer Appell: „So etwas wie freiwillige Selbstkontrolle funktioniert nicht, wenn es um viel Geld geht. Deshalb braucht das Gesundheitswesen unabhängige Beratungsstellen.”