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Cannes: Kreative Krise: Nur wenige Höhepunkte in Cannes

Cannes : Kreative Krise: Nur wenige Höhepunkte in Cannes

Das bedeutendste Filmfestival der Welt hat offenbar eine kreative Konjunkturkrise erwischt.

Bevor am Sonntagabend die internationale Jury rund um den Film- und Bühnenregisseur Patric Chereau die Gewinner der Goldenen Palmen verkündet, zeigt sich ein ernüchterndes Bild.

Nicht einmal die Hälfte der Wettbewerbs-Filme war aufregend, geschweige denn, was man von Cannes eigentlich erwartet: sensationell und einzigartig.

Solidarisch zum unaufgeregten Filmprogramm hielt sich auch die Boulevard-Front zurück: „Jurymitglied Meg Ryan hat ein neues Gesicht” interessierte zum Beispiel die Zeitung „Nice Matin”.

Die meiste Prominenz turnte außerhalb der offiziellen Veranstaltungen herum, Liz Taylor gab wieder ihr übliches Wohltätigkeits-Dinner, Schwarzenegger gröhlte auf der Croisette. Thematische Konstanten zeigten sich in seltener Deutlichkeit.

„Die Zeit des Wolfes”, „Dogville” - die Bestien sind los. In einer Zeit des Niedergangs der Kultur versucht man, das Wichtigste zu retten, sich im Privaten vor der „Barbarischen Invasion” zu verstecken. Man vertieft sich in die persönlichen Beziehungen, flickt dort, oft im Angesicht endgültiger Abschiede.

„Dogville” ist einer der Favoriten

Es mag selektive Wahrnehmung sein, aber vor allem die Frage nach Gerechtigkeit fand spannende Antworten. Lars von Triers „Dogville” - einer der wenigen Favoriten - setzt ignorante US-Dörfler einer gottgleichen und gnadenlosen Rache aus.

Die reduzierte Bühnenparabel - endlich einmal ein Stilexperiment - mit einer eindringlichen Nicole Kidman wurde vom reiseunwilligen Dänen bewusst in den USA angesiedelt.

Clint Eastwoods „Mystic River” zeigte am vorletzten Cannes-Tag einen schwachen Krimi, aber ein starkes Finale. Der Regie- und Schauspielveteran setzt auf das Star-Trio Sean Penn, Tim Robbins und Kevin Bacon.

Die drei spielen Männer, deren Kinderfreundschaft zerbrach, weil einer von ihnen als Junge von Fremden vier Tage lang entführt und sexuell missbraucht wurde. Die anderen waren dabei, als er in das „falsche Auto” stieg, es hätte auch sie treffen können.

Bittere Botschaft über die Mächtigen

Wie sehr das lange zurückliegende Verbrechen ihr Schicksal beeinflusst hat, tritt erst nach einer anderen Tat hervor.

Die Tochter eines damals „Verschonten” wird umgebracht, und es beginnt eine fatale Geschichte voller Verzweiflung, Misstrauen und Selbstjustiz.

Das Porträt eines Viertels endet mit einem bitteren Statement: Die Mächtigen urteilen und richten in ihrem Sinne - falsch.

Die Polizei sieht machtlos zu, die Verletzten und Schwachen bleiben die Verlierer selbst noch in der nächsten Generation.

Man muss nicht viel Zeitung lesen, um dabei an Weltpolitik zu denken, vor allem mit dem Friedensaktivist Sean Penn in einer der Hauptrollen.