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Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück: Konzert-Wochenende in der Region brachte für jeden etwas

Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück : Konzert-Wochenende in der Region brachte für jeden etwas

Sommerzeit — Festivalzeit: Die Musikfreunde hatten am Wochenende eine große Auswahl herausragender Konzerte — angefangen bei Sting in Mönchengladbach, The Notwist in Stolberg, über das Doppelkonzert von Okta Logue und Die Höchste Eisenbahn, ebenfalls in Stolberg. Und in Merzbrück ging auch die Post ab beim Garten-Eden-Festival.

Sting in Mönchengladbach

  VON BERND SCHUKNECHT, CHRISTIAN REIN, DIRK MÜLLER, KOMMT Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück. Sommerzeit — Festivalzeit: Die Musikfreunde hatten am Wochenende eine große Auswahl herausragender Konzerte — angefangen bei Sting in Mönchengladbach, the N
VON BERND SCHUKNECHT, CHRISTIAN REIN, DIRK MÜLLER, KOMMT Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück. Sommerzeit — Festivalzeit: Die Musikfreunde hatten am Wochenende eine große Auswahl herausragender Konzerte — angefangen bei Sting in Mönchengladbach, the N

Stürmischer Jubel brandet auf, als Sting auf der Bühne im Mönchengladbacher SparkassenPark, der sich bereits seit acht Sommern als erstklassige Open Air-Bühne für Popkonzerte profiliert hat, erscheint. Als „Polizist“ ist der heute 65-jährige Mathew Gordon Sumner schon vor vielen Jahren in Pension gegangen, als Solokünstler zählt er nach wie vor zu den Musikern, die sich während ihrer nunmehr 40-jährigen Karriere immer wieder neu erfunden haben und auf diese Weise künstlerisch jung geblieben sind.

  VON BERND SCHUKNECHT, CHRISTIAN REIN, DIRK MÜLLER, KOMMT Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück. Sommerzeit — Festivalzeit: Die Musikfreunde hatten am Wochenende eine große Auswahl herausragender Konzerte — angefangen bei Sting in Mönchengladbach, the N
VON BERND SCHUKNECHT, CHRISTIAN REIN, DIRK MÜLLER, KOMMT Mönchengladbach, Stolberg, Merzbrück. Sommerzeit — Festivalzeit: Die Musikfreunde hatten am Wochenende eine große Auswahl herausragender Konzerte — angefangen bei Sting in Mönchengladbach, the N

Der Himmel über dem Hockeystadion zeigt sich bedeckt, ein glutroter Sonnenuntergang ist aber auch schon alles, auf das die rund 10 000 Fans verzichten müssen. Nicht hingegen auf erstklassige Popmusik, deren frappierende Alterslosigkeit rund zwei Stunden für allerbeste Stimmung sorgt.

 Konzertreigen in der Region: (von links oben im Uhrzeigersinn): Sting begeisterte 10 000 Fans im Mönchengladbacher Hockeypark, Die Höchste Eisenbahn und Okta Logue traten am Freitagabend im Zinkhütter Hof in Stolberg im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion auf, ebenso The No-twist, die hier am Samstagabend zu erleben waren, beim „Garten-Eden Electronic & Techno-Festival“ auf dem Flughafen Merzbrück ging es vor allem sehr bunt zu, wie man sieht.
Konzertreigen in der Region: (von links oben im Uhrzeigersinn): Sting begeisterte 10 000 Fans im Mönchengladbacher Hockeypark, Die Höchste Eisenbahn und Okta Logue traten am Freitagabend im Zinkhütter Hof in Stolberg im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion auf, ebenso The No-twist, die hier am Samstagabend zu erleben waren, beim „Garten-Eden Electronic & Techno-Festival“ auf dem Flughafen Merzbrück ging es vor allem sehr bunt zu, wie man sieht. Foto: Thomas Brill, Dirk Müller, Yannick Longerich

Mit „Synchronicity II“ zum Start werden die Fans von Sting und seiner Band, darunter nicht nur sein langjähriger musikalischer Gitarren-Gefährte Dominic Miller samt Sohn Rufus, sondern auch sein eigener Sohn Joe Sumner, mit explosiver Energie förmlich überrockt und überrollt, und auch das folgende „If I Ever Lose My Faith in You“ lässt das Publikum im Gegenteil fest daran glauben, dass es einen ganz besonderen Abend erleben wird.

 Konzertreigen in der Region: (von links oben im Uhrzeigersinn): Sting begeisterte 10 000 Fans im Mönchengladbacher Hockeypark, Die Höchste Eisenbahn und Okta Logue traten am Freitagabend im Zinkhütter Hof in Stolberg im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion auf, ebenso The No-twist, die hier am Samstagabend zu erleben waren, beim „Garten-Eden Electronic & Techno-Festival“ auf dem Flughafen Merzbrück ging es vor allem sehr bunt zu, wie man sieht.
Konzertreigen in der Region: (von links oben im Uhrzeigersinn): Sting begeisterte 10 000 Fans im Mönchengladbacher Hockeypark, Die Höchste Eisenbahn und Okta Logue traten am Freitagabend im Zinkhütter Hof in Stolberg im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion auf, ebenso The No-twist, die hier am Samstagabend zu erleben waren, beim „Garten-Eden Electronic & Techno-Festival“ auf dem Flughafen Merzbrück ging es vor allem sehr bunt zu, wie man sieht. Foto: Thomas Brill, Dirk Müller, Yannick Longerich

Das im Original eher entspannt jazzig angehauchte „Englishman in New York“ bekommt jetzt eine knackig-trockene Funk-Rhythmik. Während es Sting durchweg gelingt, seinen Klassikern ein neues dynamisches Leben einzuhauchen, klingen seine aktuellen Songs des „57th & 9th“-Albums eher als deren Soundderivate. „I Can’t Stop Thinking About You“ erinnert stark an „Every Little Thing She Does Is Magic“ und beweist wie auch „Petrol Heart“ bestenfalls, dass Sting musikalisches Temperament und Spielfreude noch nicht verloren hat.

„Feel so low, feel so low, feel so lonely“ — die enthusiastisch mitsingenden Fans verstärken insbesondere die Klassiker wie „So Lonely“, „Roxanne“, „Next To You“ und „Every Breath You Take“, die manche im Publikum auch zu ek-statischen Tanzbewegungen animieren. Ein besinnliches „Fragile“ markiert schließlich das Finale eines Konzerts, dessen zeitlose Musik noch immer berührt und daher zu Recht gefeiert wird.

The Notwist in Stolberg

The Notwist: Ein Konzert von The Notwist, zumal in einem so vergleichsweise intimen Rahmen wie dem Zinkhütter Hof in Stolberg, kann schnell zu einer Art Familientreffen geraten. Die Kultband aus dem bayerischen Weilheim vor den Toren von München bietet, so scheint es zumindest, mit ihren sieben Alben, die zwischen 1990 und 2014 entstanden sind, den Soundtrack zu verschiedenen Lebensphasen einer ganzen Generation von Indierock-Fans. Man kennt sich — meistens eben schon seit 20 Jahren oder länger — und hat gemeinsam den Weg von den ungestümen Teenager-Tagen zu Grunge-Zeiten ins digitale Zeitalter zurückgelegt. So bildete denn auch die Gruppe der Mittdreißiger bis Mittfünfziger am Samstagabend das Gros der rund 700 Zuschauer bei der Stippvisite der Band im Rahmen des Kulturfestivals X der Städteregion.

Es war bereits der zweite Auftritt von The Notwist in Stolberg. Schon im vergangenen Jahr war es Nina Mika-Helfmeier, der Kulturbeauftragten der Städteregion, gelungen, sie zu verpflichten. Neue Musik hatte die sechsköpfige Band um die Brüder Markus und Micha Acher nicht im Gepäck. Stattdessen lieferten The Notwist eine Art Best-Of-Set ab, das in weiten Teilen aus Songs von den letzten drei Alben „Neon Golden“ (2002), „The Devil, You + Me“ (2008) und „Close To The Glas“ (2014) bestand. Diesmal gelang es allerdings deutlich besser als im vergangenen Jahr, die Band klangtechnisch für die Räume des Zinkhütter Hofs abzumischen. Vor allem die lauten Phasen des Konzerts wirkten so klarer und viel weniger erdrückend.

The Notwist schaffen in ihrer Musik ein Amalgam aus so unterschiedlichen Einflüssen wie Jazz und Electronica, Krautrock und neuer Klassik, tatsächlich auch melancholischem Pop. Es knistert und knurpselt, raschelt und rauscht. Hinzu kommen rhythmische Spielereien mit Vibraphon und Schlagzeug oder aus der Konsole. Dazu singt Markus Acher seine melancholisch-süßen, betörend-schönen Melodien, die alles tragen und zusammenhalten.

Es ist erstaunlich und faszinierend, der Band dabei zuzusehen, wie sie ihre Klangkonstruktionen auf der Bühne reproduziert, wie sie scheinbar mühelos vom noisig-rockigen Hit „Kong“ zum zerbrechlich-ruhigen „The Devil, You + Me“ wechseln oder ihren Klassiker „Pilot“ in einer mehr als zehnminütigen (!) Version eine Metamorphose vom Indierock zum Dub zum Dance und zurück zum Indierock durchlaufen lassen kann. Neuere Song-Experimente wie „Run, Run, Run“ oder „Into Another Tune“ stehen neben den berührenden Stücken wie „Consequence“ oder „Gone, Gone, Gone“. Für das Publikum eine Reise in die eigene Jugend und wieder zurück, einmal durch die verschiedenen Lebensphasen. Nach rund eindreiviertelstündigem Programm und zwei Zugaben gab es frenetischen Applaus und beseelte Gesichter.

Okta Logue und Die Höchste Eisenbahn

Optisch wirkten sie wie aus der Zeit gefallen, und auch der psychedelische Rock der vier jungen Musiker erinnerte stark an die 1960er und 1970er Jahre. Doch Okta Logue servierte ihre sphärischen Sounds zeitgemäß wie frisch und stellte große Qualität als Liveband unter Beweis. Ob balladenhaft wie bei „Shine like Gold“ oder kraftvoll wie bei den Titeln aus dem aktuellen Album „Diamonds and Dispair“ — Okta Logue überzeugte mit harmonischen Melodien und anspruchsvollen Arrangements, die sich in fantastische Klangwelten ergossen.

Im Rahmen des Kulturfestivals X eröffnete die Band aus dem hessischen Griesheim das Doppelkonzert in Stolberg und stellte damit die Weichen für Die Höchste Eisenbahn. Das Quartett um die Singer/Songwriter Francesco Wilking und Moritz Krämer gestaltete den zweiten Part des Abends mit handgemachter Popmusik der gefälligen Art. Warme, fließende Melodien intonierte Die Höchste Eisenbahn gepaart mit anspruchsvollen deutschen Texten, die klug und sowohl humorvoll, als auch mit lyrischem Tiefgang den Nerv des Publikums trafen. Songs wie „Gierig“, „Timmy“ und „Lisbeth“ aus dem jüngsten „Eisenbahn“-Album „Wer bringt mich jetzt zu den Anderen“ kamen bestens an.

Garten-Eden Electronic & Techno-Festival

Unter dem symbolischen Apfelbaum aus Holz, Papier und mystischer Beleuchtung ließen die „Adams und Evas“ in ihrem neuen paradiesischen Treff ihrer musikalischen Ekstase freien Lauf. Die erste Auflage des „Garten-Eden Electronic & Techno-Festivals“ schlug am Merzbrücker Flughafen ein wie eine Bombe. Über 1000 feierwütige Musikfans verwandelten das Flughafengelände in ein Open-Air-Paradies.

Zum Main-Act mit Oliver Schoris, Butch und Paji hatte sich der alte Hangar an der Ostflanke des Geländes längst zu einem Schmelztiegel entwickelt. Verträumte Stimmungen wechselten sich mit euphorischen Episoden ab. Das Team um den jungen Eventmanager Alex Hövelmann hatte mit Liebe zum Detail und viel Eigenarbeit die Garten-Eden-Atmosphäre erschaffen.