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Aachen: Konzert mit vielen nachdenklichen Akzenten

Aachen : Konzert mit vielen nachdenklichen Akzenten

Die zweite Symphonie von Johannes Brahms erklang erst vor wenigen Wochen im Aachener Eurogress. Damals kam der Erlös dem geplanten Konzerthaus zugute.

Marcus R. Bosch und das Aachener Sinfonieorchester fegten mit Schwung durch die Partitur. Jetzt hörte sich das gleiche Werk erheblich weniger euphorisch an, obwohl Bosch an seiner Konzeption kaum etwas änderte.

Doch der Anlass des neuerlichen Benefizkonzerts in der gut besuchten St. Michaelskirche drückte die Stimmung. Jetzt galt es, den Opfern der Flutkatastrophe zu helfen.

Das eingenommene Geld des mit Unterstützung der griechisch-orthodoxen Gemeinde zustande gekommene Konzerts kommt Misereor und dem Kindermissionswerk zugute. Berichte von Mitarbeitern der Hilfsorganisationen riefen noch einmal das Ausmaß der Katastrophe ins Bewusstsein.

Intendant Paul Esterhazy setzte mit Goethes „Meeresstille” und Brechts „An die Nachgeborenen” nachdenkliche Akzente. Und Bosch flankierte die eher entspannt-sonnige Brahms-Symphonie mit zwei neueren Streicher-Stücken, nämlich Samuel Barbers berühmtem „Adagio” op. 11 und Arvo Pärts „Cantus in Memory of Benjamin Britten”.

Ohne sentimentale Übertreibungen entfaltete Bosch den melancholischen Duktus des Adagios. Und auch die Trauermusik des Esten Arvo Pärt bewahrte er vor emotionalem Überdruck. Eine eindrucksvoll-verhaltene mit Glockenklängen durchsetzte Musik.

Dass Brahms Zweite weniger lichtdurchflutet wirkte als gewohnt, lag nicht nur an dem Anlass und dem Beiprogramm, sondern auch an der hallig-gedämpften Akustik des Kirchenraums. Und so gewann das getragene Adagio der Sinfonie ein noch stärkeres Gewicht als üblich.

Die 300 Konzertbesucher spendeten rund 4000 Euro. Das Theater Aachen überlegt nun bei dem Erfolg, so Pressesprecherin Monika Madert, diese Art von „besinnlichem” Konzert am frühen Freitagabend zu wiederholen.