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Düsseldorf: Kofferbomber-Prozess: Urteil von Beirut in Düsseldorf eingebracht

Düsseldorf : Kofferbomber-Prozess: Urteil von Beirut in Düsseldorf eingebracht

Im Düsseldorfer Kofferbomber-Prozess gegen Youssef el H. ist am Freitag das Urteil von Beirut gegen seinen mutmaßlichen Komplizen Jihad H. verlesen worden. Darin hieß es, Jihad H. habe nach dem Widerruf seines Geständnisses behauptet, die beiden Koffer seien absichtlich nur Attrappen gewesen.

Im letzten Moment habe er sich umentschieden und die Drähte der beiden Zündkapseln ausgetauscht. Jihad H. und Youssef el H. sollen im Sommer 2006 in Köln zwei selbst gebaute Sprengsätze in Koffern versteckt und in zwei Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert haben. Die Koffer waren nicht explodiert. Jihad H. wurde in Beirut zu zwölf Jahren Haft verurteilt, Youssef el H. steht derzeit in Düsseldorf vor Gericht.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft waren die Zünder aber funktionstüchtig und hatten auch ausgelöst. Die Bomben seien nicht detoniert, weil in den Propangasflaschen kein explosionsfähiges Gemisch war.

In seinem früheren Geständnis im Beisein deutscher Ermittler hatte Jihad H. noch ausgesagt, sie hätten so viele Menschen wie möglich töten wollen und wüssten nicht, warum die Bomben nicht hochgegangen seien. Später hatte er behauptet, diese Aussage sei auf Druck der deutschen Ermittler erzwungen worden. Diesem Vorwurf hatten die Beamten vehement widersprochen.

Youssef el H. war in Beirut in Abwesenheit wegen versuchten vielfachen Mordes schuldig gesprochen und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Jihad H. hatte ihn bezichtigt, Drahtzieher und Hauptverantwortlicher der Anschlagversuche gewesen zu sein. Nach Angaben seiner Verteidiger will sich Youssef el H. „in zwei bis drei Wochen” erstmals vor Gericht zu den Vorwürfen äußern.