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Köln: Kölns heimliches zweites Wahrzeichen

Köln : Kölns heimliches zweites Wahrzeichen

Sehnsucht beflügelt. HA Schult auch. Zwar wurden nicht alle elf Kleinwagen vom Typ Fiesta, die 1989 Teil der Aktion „Fetisch Auto” waren, vom Künstler zu Höherem berufen, aber immerhin zwei.

Während ihre Co-Karossen eingefroren, marmoriert oder verschifft wurden, durfte eins der Kunstmobile mit Wolken bemalt über Köln kreisen, während das andere, vergoldet und mit riesigen Schwingen versehen, das Stapelhaus für eine Zwischenlandung nutzte, ehe es sich endgültig auf dem Turm des Zeughauses einnistete.

Dort, wo sich heute das Kölnische Stadtmuseum befindet, logiert „Der Goldene Vogel” seit dem 25. April 1991 - neben dem Dom das meistfotografierte Objekt in der Stadt. Wer diese Vorgeschichte kennt, muss nicht lange raten, wo derzeit in Köln eine Fotoausstellung zum Werk von HA Schult zu sehen ist. Natürlich im Kölnischen Stadtmuseum.

Dort zeigen fünf Fotografen - Thomas Hoepker, Helga Pisters, Martin Classen, Claudia und Christian Dalchow - „Die Welt zu Gast beim Flügelauto”.

Der Titel ist doppeldeutig zu verstehen, denn die zweite HA- Schultsche Aktion, die in Köln die Gemüter erregte, entzweite und euphorisierte, war der Zyklus „Rheingeist”, der 1996 darin gipfelte, eine drei Tonnen schwere, nachts leuchtende Weltkugel aus Stahl auf einen 75 Meter hohen Pylon der Severinsbrücke zu hieven.

Was die Kölner am liebsten da gelassen hätten, war für den damaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes eine Kugel des Anstosses, und nach langem Hickhack kam die Welt im Jahr 2000 schließlich auf dem Dach der DEVK-Zentrale, unweit der Zoobrücke, zur Ruhe. Fotos und Fotoplakate zeigen das Wolken- und das Flügelauto und immer wieder die Welt im Kugelformat - an ihrem früheren Standort, beim Transport und dort, wo sie heute zu Hause ist.

Hinzu kommen Grafiken rund um den „Fetisch Auto” (1989), jenes ebenso magische wie profane Fortbewegungsmittel, das bereits 1968 bei „HA Schults Materialshow” in einer Kölner Tiefgarage Kopf stand und 1970, mit dem Künstler am Steuer, innerhalb von 20 Tagen 20.000 bundesdeutsche Kilometer fraß.

Auch die Auto-Grafiken - lauter putzige Fiestas, die den Dom, den Kreml oder die Tower-Bridge umflattern - sind beflügelnd. Ebenso wie eine Frau, die bei der Eröffnung natürlich nicht fehlen durfte: Elke Koska, seit 1967 Muse des „Machers”.

„Die Welt zu Gast beim Flügelauto. Fotoausstellung zum Werk von HA Schult”, bis 25. Juli, Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, 0221/22122398.

Geöffnet: Di. 10-20, Mi.-So. 10-17 Uhr, Eintritt: 3 Euro, erm. 1,50 Euro.