Köln/Madrid0: Kölner Gürzenich-Orchester gibt Konzerte in Madrid und Saragossa

Köln/Madrid0 : Kölner Gürzenich-Orchester gibt Konzerte in Madrid und Saragossa

Das Kölner Gürzenich-Orchester gehört nicht nur zu den ältesten städtischen Orchestern Deutschlands, sondern auch zu den reisefreudigsten. Als Kulturbotschafter der Stadt Köln und des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich das Orchester weltweit einen vorzüglichen Ruf erwerben können.

Flexibilität, was Spielstätten angeht, muss das Orchester nicht nur auf den Tourneen aufbringen, sondern auch im derzeitigen Refugium des Kölner Staatenhauses. Zum fünften Mal reiste das Orchester jetzt nach Spanien und sah sich neuen Herausforderungen ausgesetzt.

Das Orchester kann auf eine gut 130 Jahre lange Tradition als städtisches Kulturorchester zurückblicken. Johannes Brahms dirigierte mit ihm die Uraufführung seines Doppelkonzerts, Richard Wagner und Giuseppe Verdi standen am Pult des Orchesters, Richard Strauss' „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ und Gustav Mahlers 5. Symphonie haben ihm ihre Uraufführung zu verdanken.

In Köln tritt es derzeit jährlich mit etwa 60 Konzerten und 160 Opernaufführungen in Erscheinung. Dazu kommen CD-Einspielungen und alljährlich mehrere Auslandsgastspiele. In Asien ist es ein besonders gern gesehener Gast. Unvergessen die große Asien-Tournee unter Markus Stenz vor acht Jahren mit einer Gesamtaufführung von Wagners „Nibelungen-Ring“.

Akustische Herausforderungen

Die aktuelle Reise nach Madrid und Saragossa unter Leitung des derzeitigen Chefdirigenten François-Xavier Roth fiel etwas bescheidener aus. Gleichwohl musste sich das Orchester auf neue akustische Herausforderungen einstellen. Denn das „Auditorio National de Música“ in Madrid und das „Auditorio de Zaragoza“ boten denkbar unterschiedliche Voraussetzungen für das Reiseprogramm mit Werken von Pierre Boulez, Ludwig van Beethoven und Béla Bartók.

Das mit 2300 Plätzen recht üppig ausgestattete Auditorio der Hauptstadt garantierte auch in Bartóks klanglich anspruchsvollem „Konzert für Orchester“ einen weichen, transparenten Klang, der sowohl dynamische Höhepunkte als auch die kammermusikalischen Delikatessen des Bravourstücks glänzend zum Leuchten brachte. 1900 Plätze bietet das „Auditorio“ von Saragossa, der Zentrale Aragons.

Ein moderner, ausschließlich holzgetäfelter Bau mit einem hellen, zur Überakustik neigenden Klangbild, das in den dichter instrumentierten Passagen des Bartók-Konzerts und der abschließenden Zugabe mit einem Slawischen Tanz von Dvorák zu klanglichen Verdickungen führen kann. Anders als in Madrid oder der heimischen Kölner Philharmonie. Beide Konzerte waren sehr gut besucht. Allerdings reagierten die Zuhörer in Saragossa erheblich enthusiastischer als die etwas kühler wirkenden Madrilenen.

Sich auf neue akustische Bedingungen einzustellen, damit dürfen das Orchester und ihr Chefdirigent in Köln geradezu skurrile Erfahrungen sammeln. Als Konzertorchester steht mit der Kölner Philharmonie ein guter, berechenbarer Saal zur Verfügung. Als Opernorchester wanderte es aufgrund der zähen Sanierung des Stammhauses durch etliche mehr und meist weniger geeignete Ausweichstätten. Seit drei Jahren residiert die Oper in alten Messehallen des Deutzer Staatenhauses, wo sich das Orchester für jede Produktion neu positionieren und dabei neben, auf, hinter oder unter der Bühne spielen muss.

Da in vier Jahren mit der Fertigstellung des Haupthauses gerechnet werden kann, grenzt der derzeitige Zustand an eine Zumutung. Gürzenich-Kapellmeister Roth sieht das etwas differenzierter. „Ich sehe in diesem Interim die Chance, ein neues Publikum zu erreichen und neue Blickwinkel auf die Oper zu erschließen.“

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