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Köln: Köln streitet um Jüdisches Museum: Erst prämiert, dann kritisiert

Köln : Köln streitet um Jüdisches Museum: Erst prämiert, dann kritisiert

Eigentlich könnte die Stadt Köln stolz sein: Für das geplante Jüdische Museum und die Archäologische Zone der Stadt legt eines der prominenten Architekturbüros der Republik einen Entwurf vor, den die Fachjury mit spektakulären 22 gegen eine Stimme zum Sieger kürt.

Doch schon wenige Tage später geht Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), der den prämierten Entwurf für das ebenso ehrgeizige wie städtebaulich ungewöhnliche Projekt auf dem Rathausplatz gerade noch laut gelobt hat, auf deutliche Distanz.

Wegen unklarer Finanzierung des 20-Millionen-Euro-Vorhabens, aber vor allem wegen der Beeinträchtigungen der „Sichtachsen” zum historischen Rathaus und zum Ungers-Bau des nahen Wallraf-Richartz- Museums sollte nochmals nachgedacht und die Bürger zum Entscheid gebeten werden, meinte das Stadtoberhaupt - entgegen klarer Ratsbeschlusslage.

Nicht wenige Kenner des sprichwörtlichen, auch in der Kultur notorischen „Kölner Klüngels” wittern Böses: „Das ganze Projekt steht absolut an der Kippe”, heißt es in der Stadtplanung. Es sei „völlig offen”, ob der - wegen seiner sehr gelungenen Verzahnung von Museum und archäologischen Resten unter anderem der Synagoge aus dem Frühmittelalter hochgelobte - Entwurf des Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken je gebaut werde.

Man könne die ganze Diskussion nicht so anlegen, dass nach dem Ratsbeschluss prominente Architektenbüros zum Wettbewerb geladen werden, der klare Sieger die Ausschreibungsvorgaben strikt einhält und anschließend das Ergebnis - auch durch Bürgerentscheid - wieder zur Disposition gestellt wird, grollen Insider.

Spielt ein polemisch geführter wissenschaftlicher Streit in der Stadt die Blockaderolle, bei dem es um die Bewertung der Ruinen des jüdischen Bethauses als - sensationell - antik oder „nur” mittelalterlich ging? Ein auch nach vielen Wochen noch nicht benannter „Projektsteuerer”, den in einer Krisensitzung NRW-Bauminister Oliver Wittke (CDU) seinem Parteifreund OB Schramma abgetrotzt hat, sollte den peinlichen, immer mehr nach außen dringenden Zwist entschärfen.

Angesichts der verfahrenen Situation hat der Minister abgelehnt, Mitte Juni eine Ausstellung mit den Architekturmodellen des Museums-Projektes in Köln zu eröffnen. Folgerichtig dürfte jetzt auch die Landesförderung für den Bau am seidenen Faden hängen.

Das Saarbrücker Büro, das auch schon die vielbeachteten neuen Synagogen von Dresden und München entworfen hat, hält sich bei der Kölschen Kabale weise zurück: „Wir wollen uns fachlich in die Diskussion einbringen”, sagte Architektin Andrea Wandel. Sie hätte allerdings vermutet, dass die jetzt plötzlich in Köln auftauchenden Fragen vorher geklärt worden wären.

Das auch für Archäologie zuständige NRW-Bauministerium ist jedenfalls vom Respekt des Saarbrücker Entwurfs gegenüber den historischen Fundamenten aus Römerzeit und Mittelalter begeistert. Auch damit entspreche die Planung „genau dem Anforderungsprofil des Architektenwettbewerbes”, votierte das Landes-Bauministerium in der Jurysitzung.

Sollte das aus Stein und viel Glas geplante Haus zu Ehren Kölns 1700-jähriger jüdischer Geschichte dennoch lediglich Modell bleiben, haben die Bürger trotzdem Glück gehabt. Eine eher von Fantasie statt bauhistorischem Befund beflügelte, romantisierende Backstein- „Rekonstruktion” der alten Kölner Synagoge und des nahen Kultbades ist als jüdisches „Disneyland” im Schatten der Domtürme dank des bemerkenswerten Architektenwettbewerbs ein für alle Mal vom Tisch.