1. Kultur

Köln: Köln hat endlich wieder eine Fußballattraktion

Köln : Köln hat endlich wieder eine Fußballattraktion

Autofahrer und Passanten vor dem Opernplatz lassen den gi- gantischen Ball links liegen. Auf Fußbälle, egal welcher Art, sind die Kölner in diesen Tagen nicht besonders gut zu sprechen. Drinnen im Opernhaus muss auch der Kaiser Stellung beziehen zur ausweglosen Situation beim 1. FC Köln.

Dabei ist Franz Beckenbauer doch in offizieller Mission als Präsident des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland nach Köln gekommen, um den WM-Globus vorzustellen, der noch bis zum 16. Mai in der Domstadt Station macht. „Das ist bitter und enttäuschend, was mit dem FC passiert. Aber ich drücke für die Zweite Liga die Daumen”, sagt Beckenbauer mitleidig.

„Wir sind Bayern-Fans”

Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma freut sich zwar über die tröstenden Worte, doch so richtig passt ihm das Thema an diesem Morgen nicht in den Kram. Fast schon Hilfe suchend wendet er sich an einige Jungs und stellt sie Beckenbauer als hoffnungsvollen Kölner Fußballnachwuchs vor, mit dem der Club wieder in eine bessere Zukunft blicke. Der Schuss geht nach hinten los (was ja wieder zum FC passt): „Wir sind keine Köln-, sondern Bayern-Fans”, betont einer der Jungs. Der Kaiser strahlt. Schramma trägts mit Fassung.

Ob nun Erst- oder Zweitligastadt, für die Fußball-WM 2006 ist Köln 822 Tage vor WM-Beginn als eine von zwölf Spielstätten schon jetzt bestens gerüstet. Mit der zeitlich begrenzten Präsentation des von Multi-Media-Künstler André Heller entworfenen Fußball-Globus wird ein fast zehnwöchiges Kultur- und Kunstprogramm er- öffnet, das die Menschen auf die WM einstimmen soll. Nach Berlin und Frankfurt am Main, wo be- reits 170.000 Menschen den Globus besuchten, ist Köln die dritte Station der Installation.

Tags ein Fußball, nachts eine Weltkugel

Aus 60 Tonnen Stahl bestehend, sieht der Globus tagsüber aus wie ein Fußball, um sich nachts in eine illuminierte Weltkugel zu verwandeln, in der bei diversen Veranstaltungen in den kommenden Wo- chen jeweils bis zu 100 Besucher Platz finden werden. „Wir konnten den Globus leider nicht vor dem Dom platzieren, dafür ist er zu schwer für den Boden dort. Ein zweites Loch könnte ich mir nicht leisten...”, sagt Schramma und spielt auf die angespannte Haushaltslage der Stadt an.

Im Inneren der Fußballkugel befinden sich interaktive Spiele, virtuelle Installationen und großflächige Projektionen. Die Bundesregierung fördert das Projekt bis 2006 mit etwa 30 Millionen Euro aus dem Erlös der WM-Gedenkmünzen. „Dieser Globus ist eine einzigartige Sache, entworfen von einem einzigartigen Künstler”, lobt Beckenbauer das Projekt und dessen Macher. André Heller selbst muss an diesem Tag in Köln aus Gesundheitsgründen passen. „Ich hätte ihnen diesen intelligenten Menschen wirklich gegönnt”, meint Beckenbauer.

„Vielleicht geht was. Abwarten.”

Und wo wir schon mal bei Künstlern sind: „Bei Real Madrid laufen auch so einige Künstler rum. Da haben wir ein hartes Stück Arbeit vor uns”, wird der Präsident des FC Bayern München zu seiner Einschätzung vor dem Champions-League-Achtelfinale in Madrid am Mittwoch befragt. Zum Glück sei ja „el Fenomeno”, das brasilianische Phänomen Ronaldo, verletzungsbedingt nicht dabei. „Vielleicht geht was. Abwarten.” Man könnte auch sagen: schaun mer mal.