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Köln: Köln anders erfahren: Einachsig auf Achse

Köln : Köln anders erfahren: Einachsig auf Achse

Mit Zen-Meditation hat das geräuschlose Gleiten über Stock und Stein ja eigentlich nichts zu tun. Auf die Suche nach seinem inneren Mittelpunkt muss sich trotzdem jeder begeben, bevor die Reise ihren Anfang nehmen kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das futuristisch anmutende Vehikel aus den USA nach hinten losgeht. Hoch empfindliche Sensoren setzen jede Verlagerung des Körpergewichts in Antrieb um.

In Kooperation mit dem Vertreiber des so genannten Segway, der Gleitzeit GmbH, bietet die Köln-Tourismus GmbH ab sofort Stadtrundfahrten auf den Steh-Rollern an. Allerdings werden es sich viele Neugierige wohl zweimal überlegen, ob sie dem Reiz des Neuartigen nachgeben und für eine eineinhalbstündige Tour 45 Euro pro Person investieren wollen.

„Das kann er, der Segway”, sagt Gleitzeit-Geschäftsführer Andreas R. Schmidt, während er mit dem einachsigen Gefährt auf der Empore von Köln-Tourismus durch einen Hindernisparcours manövriert. Flink und wendig ist er, der Segway. Das muss man ihm lassen. Die Probefahrt macht Lust auf mehr, sobald man sich - nach ein paar Minuten - an das zunächst eigenartige Fahrgefühl gewöhnt hat.

Weder Pedale noch Gas- oder Bremshebel sind Bestandteil des Bedienkonzeptes. Stattdessen funktioniert es so: Der Fahrer lehnt sich ein wenig nach vorne, und der Segway fährt vorwärts. Der Fahrer lehnt sich zurück, und der Segway fährt rückwärts. Ein paar Zentimeter reichen dem intelligenten Kontrollsystem schon aus. Einhundert Mal pro Sekunde misst es die Körperposition und den sich verändernden Untergrund. Technik, die begeistert.

„Grundsätzlich ist er ganz einfach zu fahren”, sagt Schmidt und erzählt von den beiden Herren um die 70, die nach anfänglichem Zögern „einen Riesenspaß hatten”. Josef Sommer, Geschäftsführer von Köln-Tourismus, ordnet das neue Angebot so ein: „Das ist eine ganz neue Dimension für uns und eine sehr, sehr spannende Geschichte.”

Zur Route: Die Stadtrundfahrt startet auf der rechten Rheinseite neben der Hohenzollernbrücke und führt unter anderem entlang der Uferpromenade durch den Rheinpark und die Altstadt - mit maximal acht Stundenkilometern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Während der rund zehn Kilometer umfassenden Tour wacht ein „Segway- Instruktor” über das Wohl der Teilnehmer. Im Moment stehen nur zwei Geräte für sie zur Verfügung. Mittelfristig soll die Stückzahl auf vier erweitert werden.

Die Straßenzulassung für den Segway ist in Nordrhein-Westfalen zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2008. An Privatkäufer werden ausschließlich Einzelgenehmigungen vergeben. Das bedeutet: Der TÜV muss jedes Gerät separat abnehmen. Mit zirka 7000 Euro schlägt der Segway zu Buche.

Genutzt werden darf das Fahrzeug auf Geh- und Radwegen oder - falls diese nicht vorhanden sind - innerorts auch auf Fahrbahnen. Die Geschwindigkeit sollte immer der Verkehrssituation angepasst sein. Darauf weist das Landesverkehrsministerium hin. Auf Fußwegen gilt grundsätzlich Schrittgeschwindigkeit. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen weder gefährdet noch behindert werden.

Kein Zeitvertreib für Leicht- und Schwergewichte

Wer an der Segway-Köln-Tour teilnehmen möchte, muss mindestens 16 Jahre alt und im Besitz eines Mofa-Führerscheins sein, der auch im Auto-Führerschein enthalten ist.

Teilnehmer dürfen der Fahrsicherheit wegen nicht leichter als 45 Kilogramm und nicht schwerer als 118 Kilogramm sein - im letzteren Fall könnte die empfindliche Technik ernsten Schaden nehmen.

Aus versicherungstechnischen Gründen ist derzeit eine Vermietung auf öffentlichen Straßen, Rad- und Gehwegen nicht möglich. Eine Ausnahmegenehmigung liegt für die Route der Köln-Tour vor.