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Köln: Kluge Ritter und Sensenmänner

Köln : Kluge Ritter und Sensenmänner

Anderthalb Jahre hat der Umbau des Kölner Schnütgen-Museums gedauert, das eine international hochkarätige Sammlung mittelalterlicher Kunst birgt.

Auf das Ergebnis, das kommenden Sonntag der Öffentlichkeit präsentiert wird, kann Museumsleiterin Hiltrud Westermann-Angerhausen zu Recht stolz sein.

Der Hauptausstellungsraum, die Kirche St. Cäcilia, erstrahlt in neuem Glanz. Doch nicht nur äußerlich hat sich die romantische Cäcilienkirche - in der nach dem Krieg das Schnütgen-Museum als erstes der Kölner Häuser wieder eröffnet wurde - verändert.

Dreieinhalb Jahre haben Westermann-Angerhausen und ihr Team ein neues Konzept ausgearbeitet, das auf veränderte Sehgewohnheiten und Informationsbedürfnisse der Besucher eingehen will. „Wir sind von der Idee ausgegangen, dass die Kunst des christlichen Abendlandes heutzutage nicht mehr so unbedingt zugänglich ist”, erläutert die Museumsleiterin.

Abhilfe schaffen soll eine Neugliederung in bislang zwölf thematisch gegliederte Ausstellungseinheiten. Statt zuviel Fachwissen vorauszusetzen, erzählt man lieber Geschichten zwischen Kunst und Kultur.

So wird beispielsweise in der Krypta der Tod als allgegenwärtiges Thema im Mittelalter mit Särglein, Schnitter-Statuetten oder Sensenmännern illustriert. Die Sakristei ist in eine fiktive Schatzkammer um 1475 verwandelt worden, die eben jene Miniatur-Altärchen, Monstranzen oder Reliquien-Täfelchen hätte bergen können, die jetzt in Gold, Silber und Elfenbein dort prunken.

Die Reliquien haben eine eigene Abteilung, ebenso wie Kirchengerät aus Erz oder fromme Bilder für den Hausgebrauch. Bei den Heiligen lernt man tapfere Gelehrte, mutige Prinzessinnen und kluge Ritter kennen, in der Abteilung „Handelnde Bildwerke” einen lebensgroßen Christus auf dem Palmesel, der um 1520 am Palmsonntag durch Köln gerollt wurde.

Um die Umstellung deutlich zu machen, heißt das Schnütgen-Museum jetzt Museum Schnütgen, in Anlehnung an seinen ursprünglichen Namen.

Neben Highlights wie der Aachener Madonna (1230) oder dem Kruzifixus aus St. Georg (Köln um 1067) lockt bis zum 6. Juli die Sonderausstellung „Gegenwart Mittelalter”. Rund 100 speziell gekennzeichnete Exponate zeigen, dass die ferne Zeit gar nicht so fern ist: Damals wie heute gab es Käufer, Konsumenten und Kunstfälscher, Markenartikel, Massenware und Meisterwerke. Manches wie der Kunstbetrieb ändert sich nie.