Lüttich: Kleines Meisterstück voller Esprit, Charme und Komik

Lüttich : Kleines Meisterstück voller Esprit, Charme und Komik

Ein kleines Meisterstück französischen Esprits auf hohem szenischem und musikalischem Niveau ist jetzt der Lütticher Oper in Zusammenarbeit mit der Pariser Opéra Comique gelungen. „Le Domino Noir“ (Der schwarze Domino), Daniel-François-Esprit Aubers frühe Komödie aus dem Jahr 1837, einst ein Riesenerfolg, ist nahezu in Vergessenheit geraten.

Zu Unrecht, wie die Lütticher Wiederbelebungsversuche zeigen. Allerdings nur, wenn man sie mit derart viel feinsinnigem Pep und subtiler Komik, großem technischem Aufwand und einer exzellenten Besetzung auf die Bühne stellt wie jetzt in Liège.

Auber, der sieben Jahre zuvor mit „Die Stumme von Portici“ einen Volksaufstand ausgelöst hatte, der zur Autonomie Belgiens führen sollte, zeigt sich im „Schwarzen Domino“ als Vorläufer Jacques Offenbachs. Gestützt auf ein raffiniertes Libretto des Erfolgsdichters Eugène Scribe präsentiert sich das Werk als schäumende Melange aus Boulevardkomödie und persiflierter Grand Opéra.

Scribe spielt virtuos mit Mitteln der traditionellen Verwechslungskomödie. Der „Schwarze Domino“, ein schwarzer Umhang mit Kapuze, ist das ideale Instrument zur Maskierung, das die spanische Gesellschaft um den verliebten Horace de Massarena in helle Verwirrung stürzt. Die ihm bis dahin unbekannte, einst derart maskierte Angèle de Olivarès möchte der junge Galan wiedersehen, und er begegnet ihr in irritierend verschiedenen Rollen als Domino, als aragonisches Bauernmädchen und zum Schluss auch noch als Nonne.

Nach urkomischen und pointiert gezeichneten Verwicklungen kommt es zum Happy End. Angèle, die Verwandte der Königin, darf auf ihr Klosteramt verzichten und Horace in die Arme schließen.

Die Zuschauer erleben ein Kloster, in dem es turbulent und kokett zugeht wie in „Sister Acts“, in dem die Säulenheiligen miteinander schäkern und die Fresko-Putten zum Leben erwachen wie zuvor ein putziges Schwein auf einer Festtafel, das kräftig mitsingt und so dem letalen Garaus entgeht.

Das Regie-Duo Valérie Lesort und Christian Hecq trimmt das Stück auf Tempo, sprüht vor wirklich geistreichen Einfällen und erweist sich als Meister der Rollenprofilierung und der Personenführung. Alles wird elegant ausgeführt wie ein stilvolles Florett-Duell und ist eingebettet in geschmackvolle Dekorationen im Stil der Belle Époque von Laurent Peduzzi, die selbst zu Handlungsträgern werden.

Patrick Davin versprüht im Orchestergraben den Charme und das Temperament einer Offenbach-Bouffe, wobei auch das lyrische Kolorit der Partitur nicht zu kurz kommt. Die hellen, geschmeidigen Stimmen von Anne-Catherine Gillet als Angèle und Cyrille Dubois als Horace passen sich dem Idiom der Musik ideal an, wie die meisten Darsteller der Produktion. Und entwaffnend komödiantisch treten ausnahmslos alle Sänger in den fantasievollen Kostümen von Vanessa Sannino in Erscheinung. Auch der ungewöhnlich agil agierende Chor.

Insgesamt eine ungetrübte musikalische Unterhaltung ohne jeden nennenswerten Schwachpunkt.

Die nächsten Aufführungen in der Lütticher Oper: heute sowie am 1. und 3. März.

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