1. Kultur

Aachen: Klanglich wunderbar und spannend

Aachen : Klanglich wunderbar und spannend

Um Helden ging es beim Ausklang der Meisterkonzertsaison mit dem WDR-Radiosinfonieorchester Köln unter der Leitung des österreichischen Dirigenten Manfred Honeck.

Lord Byrons melancholischer Held Harold in Hector Berlioz Symphonie mit Solobratsche „Harold in Italien” war der eine, Ludwig van Beethovens idealtypischer Held - eine Zeit lang Napoleon zugedacht - in der Es-Dur-Symphonie „Eroica” der andere. Die Kölner hatten eine wunderbare Solistin im Gepäck: die phänomenale Bratscherin Tabea Zimmermann, die den Solopart, die Verkörperung des Helden, mit samtig-warmem, in allen Lagen ausgeglichenem und sonorem Ton interpretierte.

Der ursprünglich für Paganini komponierte Part in diesem merkwürdigen Zwittergebilde zwischen Konzert und Symphonie ist nicht konzertant-brillant, dafür aber substanz- und reizvoll, auch wenn er durch Dopplung mit anderen Instrumenten bisweilen nahezu zugedeckt wird. Honeck gelang eine gespannte, dynamisch äußerst differenzierte und suggestive Wiedergabe, die die poetisch-außermusikalischen Vorstellungen des Komponisten behutsam und auch zupackend umsetzte.

In der Eroica strebt Honeck eine getreue Umsetzung der umstrittenen Beethovenschen Metronomzahlen offenbar erst gar nicht an. Dafür gelingt ihm eine ungemein differenzierte, klanglich wunderbar ausgehörte Interpretation von höchster Intensität. Mit ungeheurer Intensität brechen die katastrophischen Ballungen herein. Das hat interpretatorisches Format.

Brillanz und delikate klangliche Abstufungen kennzeichnen Scherzo und Finale, wobei das Oboensolo im langsamen Teil kurz vor Ende, auch der sehr ruhig genommen, von bewegender Schönheit ist. Eine höchst spannende und eigenwillige Interpretation, die dem Werk neue Aspekte abgewann, das Orchester in Hochform zeigte und vom Publikum begeistert gefeiert wurde.