1. Kultur

Kinostart: „Colette“ porträtiert eine Literatin und Feministin

„Colette“ nicht so provokant wie das Original : Eine Schriftstellerin, die einige Tabus brach

„Colette“ zeigt das Leben der französischen Literatin und Feministin. So provokativ wie seine Heldin ist der Film aber nicht.

Nein, Willy ist als sehr erfolgreicher Autor des Fin de Siecle heute nicht wirklich berühmt. Seine Frau und literarische „Schreibkraft“ Sidonie-Gabrielle Colette (1873-1954) dagegen zählt in Frankreich zu den bedeutendsten Autorinnen ihrer Zeit. Die überbordend ausgestattete Biografie „Colette“ vermischt unterhaltsam Literatur- und Skandalgeschichte.

Sidonie-Gabrielle Colette (Keira Knightley) ist ein Mädchen vom Lande, das weiß, was es will: den egomanischen, 15 Jahre älteren Autor (Dominic West), der unter dem Pseudonym „Willy“ eine Schreibstube betreibt. Sie folgt ihm als Ehefrau nach Paris. Die eitle Künstlerszene verachtet sie; Willys Ausschweifungen verletzen sie. Das Bild vom erfolgreichen Schriftsteller skandalöser Geschichtchen wird geerdet: Andere schreiben sie für Willy und erhalten oft keinen Lohn, denn der vermeintliche Autor schmeißt mit Charme und Geld um sich.

So schreibt auch Colette eher aus Not ihre Jugenderinnerungen auf. Der sagenhafte Erfolg dieser „Claudine“-Geschichte macht die beiden zum Promipaar. Doch wieder sahnt nur Willy ab. Selbst als Colette eigene amouröse Abenteuer entdeckt, betrügt sie ihr Mann ausgerechnet mit ihrer Liebhaberin. Erst nach einem bitteren Kampf erringt Colette eigene Autorschaft und Ruhm.

Die Geschichte der Colette ist literarisch und filmisch keine große Entdeckung. Die Autorin, die 1945 als zweite Frau Mitglied der Académie Goncourt, 1949 deren Vorsitzende und 1953 Grand Officier der Ehrenlegion wurde, zudem in Frankreich als erste Frau ein Staatsbegräbnis bekam, war bereits Thema mehrerer Filme. Die Verfilmungen ihrer Werke „Claudine“, „Chéri“ und „Gigi“ (unter anderem Vincente Minnellis Musical von 1958) sind eine eigene Erfolgsgeschichte.

Die Biografie von Wash Westmoreland („Still Alice“) erzählt mit reicher Ausstattung und guten Darstellern lange nur die Geschichte einer unglücklichen, betrogenen Frau. Interessant wird „Colette“ erst mit ihrer Emanzipation. Die für ihre Zeit „skandalösen“ Ausschweifungen der Ehepartner geraten dann sogar mal komisch. Insgesamt bleibt diese informative Literatur- und Emanzipationsgeschichte allerdings auf dem Niveau „ansehnlich“ hängen. Vom Provokativen, das Claudine und Colette in ihrer Zeit verkörperten, hat der nette Film rein gar nichts. (Aachen: Apollo) ★★★☆☆

„Colette“ (USA, Großbritannien 2018), Regie: Wash Westmoreland, mit Keira Knightley, Dominic West, Denise Gough, Fiona Shaw, 112 Min., FSK: ab 6