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Aachen: Kings Singers begeistern im Eurogress

Aachen : Kings Singers begeistern im Eurogress

Es ist immer noch und immer wieder ein reines Vergnügen, die Kings Singers zu hören.

Diese unverwechselbare Mischung aus souveräner Lockerheit und absoluter künstlerischer Professionalität in Verbindung mit englischem Humor ist einfach umwerfend.

So waren denn auch die vielen Fans beim Auftritt des Ensembles beim 6. Meisterkonzert im Aachener Eurogress begeistert und entließen die sechs Sänger (David Hurley und Robin Tyson, Countertenor; Paul Phoenix, Tenor; Philip Lawson und Gabriel Crouch, Bariton; Stephen Connolly, Bass) am Ende erst nach einigen Zugaben.

Nicht große, sondern ensembletaugliche Stimmen sind das Kriterium für die Auswahl der Sänger der Kings Singers, die seit ihren ersten Auftritten 1968 natürlich einige Umbesetzungen erlebt haben. Das künstlerische Profil und das hohe Niveau hat darunter nie gelitten. Eher im Gegenteil.

Gewöhnungsbedürftig ist für viele sicherlich die Besetzung der beiden Oberstimmen mit Countertenören statt mit Frauen- oder Knabenstimmen. Aber gerade das verleiht dem Ensemble jene manchmal geradezu samtig klingende Homogenität, bei der jedes individuelle Timbre zurücktritt zugunsten des Gesamtklanges.

Dass die einzelnen Sänger auch über schöne und sonore Einzelstimmen verfügen, das wurde besonders deutlich in den populäreren Konzertteilen. Die künstlerische Ernsthaftigkeit der sechs Sänger ist eher noch festzumachen an den „seriöseren” Programmteilen.

Madrigale der Spätrenaissance boten Gelegenheit zur Demons-tration von stilistischen Finessen bei Madrigalen von Orlando di Lasso, Carlo Gesualdo und Claudio Monteverdi. Die Intonationssicherheit ist um so verblüffender, als die Gruppe jeden musikalischen Affekt dabei auskostet und so mit vollem Risiko singt.

Die Publikumsrenner jedoch sind die Arrangements von britischen Volksliedern oder „in close harmonys”, bei deren Interpretationen die Kings Singers schauspielerisch tätig werden. Jene kleinen urkomischen Gesten, die immer leicht unterkühlt bleiben und deshalb so große Wirkung erzielen, strapazieren bei der Perfektion der Darbietungen auch noch die Lachmuskeln.

Dabei vergisst man beinahe, wie halsbrecherisch schwer diese Arrangements sind. Das ist vokale Ensemblemusik auf allerhöchstem Niveau.