Aachen: Kinderstück „Robinson“ im Grenzlandtheater

Aachen : Kinderstück „Robinson“ im Grenzlandtheater

Eine Ohrfeige und ein Witz genügen, um Robinson in „Meine Insel gehört mir“ wieder zur Besinnung zu bringen. Um ihn zu erinnern, dass er das, was er hat — unerschöpfliche Lebensmittel und eine ganze Insel für sich — nicht vor anderen zu schützen braucht. Und dass er sich danach sehnt, dass nach Jahren der Einsamkeit jemand über seine Witze lacht.

Mark Hartmann inszeniert für das junge Grenzlandtheater (Greta) ein Stück um Flucht, Asyl und Angst vor dem Fremden — in lockerer Sprache und ohne erhobenen Zeigefinger. Bei den Schülern der Hugo-Junkers-Realschule, für die das Thema spätestens seit der Einführung der internationalen Klassen zum Alltag gehört, kam das bei der Premierenvorstellung gut an.

Klassischer Stoff

Der klassische Defoe-Stoff bekommt in der Textfassung von Raoul Biltgen einen neuen, sehr aktuellen Dreh: Robinson (Jan-Friedrich Schaper) will gar nicht gerettet werden. Vielmehr soll bloß niemand seine — von Bühnenbildner Tom Grasshof mit minimalistischen Mitteln geschaffene — Insel betreten.

Schließlich hat er sich einiges aufgebaut, seitdem er als schiffbrüchiger Matrose auf der einsamen Insel strandete: Haus, Garten, selbstgezimmerte Möbel und Jagdwaffen. Nun ist seine größte Angst, dass jemand kommen und ihm das alles wegnehmen könnte. Schaper spielt den Gestrandeten sehr energiegeladen, lässt unter dem Stolz auf das Erreichte immer wieder die nagende Einsamkeit hervorblitzen.

Fremder ist gestrandet

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen strandet ein Fremder (Andreas Ricci) auf Robinsons Insel. Als der von seiner Flucht aus dem Land der Kannibalen erzählt, wächst Robinsons Angst vor weiteren Asylsuchenden: „Mit einem fängt es an und plötzlich sind es Tausende“. Ricci lässt den Zuschauer die heisere Verwirrung und die anschließende Erleichterung des endlich gestrandeten Freitags unmittelbar spüren.

Der unterwirft sich allen Regeln, die Robinson ihm auferlegt — erinnert ihn aber dann daran, auf das Gemeinsame zu schauen: Beide lachen dabei über die gleichen Witze.

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