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Gelesen: „Kinder des Zufalls“ von Astrid Rosenfeld

Gelesen : „Kinder des Zufalls“ von Astrid Rosenfeld

Ein Zehnjähriger, aufgeknüpft an einem Baum in der texanischen Wüste, kämpft ums Überleben. Mit dieser dramatischen Szene beginnt Astrid Rosenfelds neuer Roman „Kinder des Zufalls“, der auch im weiteren Verlauf mit vielen filmreifen Szenen aufwartet.

Die Suche nach persönlichem Glück, nach großen Gefühlen führt die Menschen in Rosenfelds Geschichte auf die Reise. Die große Unruhe, die sie in sich tragen und die Unerträglichkeit des Stillstands, treibt sie unerlässlich an.

Welcher Ort eignet sich dafür besser als Amerika, das sich als Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der Freiheit rühmt. Wer in Europa nicht mehr weiterweiß, besteigt ein Schiff, lässt alles hinter sich und beginnt neu. Wer schon dort ist, hat Eltern oder Großeltern, die den großen Schritt gewagt haben.

Der Zufall führt die Protagonisten Maxwell und Elisabeth zusammen. Maxwell, das Kind von Charlotte, einer Frau, die immer wollte, dass ihr Herz schneller schlägt. Deshalb hatte sie sich von Stuttgart aus auf den Weg gemacht. Eine Reise von Motel zu Motel, ohne das ihr Herz für irgendwen oder irgendwas wirklich schlagen will. Und Elisabeth, die sich selbst auf den Weg nach Amerika gemacht hat, die schwere Geschichte ihrer Mutter Annegret im Gepäck. Ihre ruhmreiche Zeit haben die beiden bereits hinter sich – Maxwell als Cowboy in einer TV-Serie, die längst abgesetzt ist, und Elisabeth als Balletttänzerin, deren Karriere durch eine Verletzung beendet wurde. Zwei Menschen, die gescheitert sind. Gemeinsam und doch einsam versuchen sie nun, ihrem Leben wieder Inhalt zu geben.

Scheinbar zufällig trifft der Leser die Menschen an irgendeinem Punkt im Leben und lernt sie nach und nach kennen. Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern in verschachtelten Passagen, die die Generationen miteinander verschwimmen lassen. Rosenfelds genaue Beobachtungsgabe offenbart die wahren Charakterzüge vermeintlich am Rande, in kleinen Gesten oder Bemerkungen. In ihrem schonungslosen, sprachlich brillanten Erzählstil bringt die Autorin, die mittlerweile selbst in Texas lebt; auch immer wieder die Zwischentöne auf den Punkt. Das macht Spaß beim Lesen! (cc)