Herzogenrath: Kerstin Heiles begeistert mit Chansons zum Auftakt des Kulturfestivals X

Herzogenrath : Kerstin Heiles begeistert mit Chansons zum Auftakt des Kulturfestivals X

Natürlich: „Non, je ne regrette rien“ sang Kerstin Heiles am Ende des Chanson-Abends mit und über Édith Piaf. Doch sie tat es mit solcher Inbrunst und Intensität, dass man ihr und ihren Mitstreitern Christoph Pauli (Piano) und Manfred Manhart (Akkordeon) diese — einzige — Vorhersehbarkeit des Abends gern verzieh.

Die Münchner sorgten am Samstagabend in der Europaschule Herzogenrath für einen furiosen Auftakt des Kulturfestivals X der Städteregion in diesem Jahr.

Moment, mit der Piaf? Die ist seit 55 Jahren tot. Doch Heiles gelang es, die große Chansonnière des vergangenen Jahrhunderts wieder lebendig werden zu lassen. Das lag zum einen an ihrer Stimme und an ihrer Interpretation so berühmter Piaf-Lieder wie „La vie en rose“, „Milord“ und „Padam, padam“, die sich sehr nah am Original orientierten. Das lag aber auch an ihrer doch scheinbar hundertprozentigen Identifikation mit ihrem Vorbild. Spricht gerade Kerstin oder doch Édith, muss sich das Publikum im ausverkauften Saal der Schule immer mal wieder unwillkürlich fragen.

Heiles und Pauli — er erzählte zwischen den Liedern vom dramatischen Leben der Piaf — zeigten in szenischer Darstellung den Lebenslauf der Piaf: 47 Lebensjahre in einem intensiven, zweistündigen Zeitraffer: Die eigene Kindheit gekennzeichnet von Vernachlässigung, dann der Tod der einzigen Tochter, später Liebschaften und Affären, der Verlust der einzigen großen Liebe, des Boxweltmeisters Marcel Cerdan, Alkohol- und Drogensucht. Zwei Konstanten ziehen sich dabei durch Piafs Leben: Die Suche nach Liebe und das Singen als ihr einziges Lebenselixier.

Heiles schlüpfte so kompromisslos in die Rolle der Piaf, dass die Grenzen der beiden Personen zu verschwimmen schienen. Als sie Piafs musikalische Liebeserklärung „Hymne à l’amour“ für Marcel Cedan sang, glitzerten Tränen in ihren Augen. „Meine Chansons sind meine Seele“, soll die Piaf gesagt haben, doch das trifft wohl auch auf Kerstin Heiles zu.

Das alles hätte allerdings nicht ohne großartige Musik funktioniert. Heiles sang ausdrucksstark, Pauli lieferte eine virtuose, mitreißende Chanson-Begleitung am Flügel, und Manhart sorgte mit dem Akkordeon für das richtige französische Flair, so dass es das Publikum am Ende spontan von den Sitzen riss. So darf es weiter gehen beim Kulturfestival X!

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