Aachen: Karlsmedaille geht an die European Film Academy

Aachen: Karlsmedaille geht an die European Film Academy

Der Titel des Films, an dem der deutsche Regisseur Wim Wenders gerade arbeitet, sollte Mut machen. „Everything will be fine“, also „Alles wird gut“. So heißt der Film, den Wenders vermutlich bei den Filmfestspielen im französischen Cannes im Mai vorstellt.

Und wenn tatsächlich alles gut wird, dann schafft es der deutsche Filmemacher von Weltrang, trotz Cannes am 22. Mai noch einen Abstecher nach Aachen zu machen.

An diesem Tag wird im Aachener Rathaus zum 14. Mal die Karlsmedaille für europäische Medien verliehen. Sie geht an die European Film Academy (EFA). Und Wenders ist der Präsident dieser europäischen Film-Akademie. „Wir hoffen, dass wir es schaffen, ein Vorstandsmitglied, das gleichzeitig ein bekannter Regisseur ist, nach Aachen zu holen, um die Medaille entgegenzunehmen“, sagte Michael Kayser, der Vorsitzende des Vereins Médaille Charlemagne pour les Médias Européen.

Den Namen Wenders nannte Kayser bei der Bekanntgabe des neuen Preisträgers im Aachener Rathaus bewusst nicht. Denn falls dann doch nicht alles gut wird aus Sicht des Vereins, dann stellt Wenders seinen neuen Streifen in Cannes genau an dem Tag vor, an dem in Aachen die Medaille vergeben wird. „Wir setzen alles daran, dass namhafte Schauspieler und Regisseure nach Aachen kommen, die der European Film Academy verbunden sind“, sagte Kayser. Derzeit prüft der Verein alle möglichen Flugverbindungen, die einen schnellen Austausch zwischen Cannes und Aachen möglich machen.

Auf der Liste derer, die statt Wenders nach Aachen kommen könnten, finden sich prominente Namen. Der britische Schauspieler Ben Kingsley („Ghandi“) ist Ehrenmitglied, der deutsche Moritz Bleibtreu („Lola rennt“) Botschafter. Dem Vorstand gehören zudem unter anderem die britischen Regisseure David Mackenzie und Rebecca O’Brien an. Nach Preisträgern wie dem Musiker André Rieu, dem ehemaligen WDR-Intendanten Fritz Pleitgen oder der Organisation Reporter ohne Grenzen steht diesmal mit der Akademie ein Zusammenschluss von über 3000 Regisseuren aus Europa im Mittelpunkt.

Die EFA verleiht in jedem Jahr den europäischen Filmpreis in 21 Kategorien, quasi als Gegenstück zu den Oscars. Den Bekanntheitsgrad des großen Preises aus den USA hat die Auszeichnung aus Europa noch nicht erreicht. Auch deshalb gibt es jetzt die Karlsmedaille, um der EFA etwas mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Wir wollen mit der Medaille ein Zeichen für den europäischen Film setzen“, sagte Kayser. „Die Fernseh- und Film-Landschaft hier bei uns wird immer mehr von Produktionen überschwemmt, die nicht aus Europa stammen. Dabei gibt es in Europa eine starke Filmindustrie.“ Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsfeld der EFA ist das Fördern des Nachwuchses bei Schauspielern und Filmemachern. Die Akademie organisiert sogenannte Meisterklassen, in denen sie von erfolgreichen Mitgliedern gefördert werden.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp lobte die Akademie als beispielhafte europäische Institution, die einen „wichtigen Beitrag zu einer gemeinsamen europäischen Kultur leistet“. Die Médaille Charlemagne pour les Médias Européens wird im Vorfeld des Karlspreises verliehen. „Die Kultur ist ein Eckpfeiler Europas. Deshalb begrüßen wir es, dass mit dem Preis ein Schlaglicht auf dieses wichtige Thema gerichtet wird“, sagte Bernd Vincken vom Karlspreis-Direktorium.

Die Verleihung des undotierten Preises am 22. Mai um 18 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathaus findet öffentlich statt.

(red)