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Karlsruhe: „Kannibale von Rotenburg” scheitert vor Bundesverfassungsgericht

Karlsruhe : „Kannibale von Rotenburg” scheitert vor Bundesverfassungsgericht

Der Horrorfilm „Rohtenburg” kann wie geplant in den deutschen Kinos anlaufen. Der als „Kannibale von Rotenburg” bekannte Armin Meiwes scheiterte am Mittwoch auch beim Bundesverfassungsgericht mit dem Versuch, die Vorführung des Films in Deutschland verbieten zu lassen.

Meiwes erleide durch den Kinostart keine so schwerwiegenden Nachteile, dass eine einstweilige Anordnung gerechtfertigt wäre, erklärten die Karlsruher Richter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss. (AZ: 1 BvQ 26/09)

Ende Mai hatte der Bundesgerichtshof (BGH) den bereits 2005 gedrehten Film nach einem langjährigen Rechtsstreit freigegeben. Meiwes sah durch „Rohtenburg” seine Persönlichkeitsrechte verletzt, weil in dem Film der reale Geschehensablauf und seine tatsächliche Biografie gezeigt werden.

Im Frühjahr 2001 hatte Meiwes einen Berliner Computerfachmann über das Internet kennengelernt und diesen im Einvernehmen entmannt und ermordet. Die Leichenteile hatte er in seiner Kühltruhe im nordhessischen Rotenburg gelagert und teilweise gegessen.

Beim Landgericht Kassel und beim Oberlandesgericht Frankfurt hatte Meiwes mit seiner Klage Erfolg, der für März 2006 geplante Kinostart des Films in Deutschland wurde deshalb abgesagt. Drei Jahre später gab der BGH den Film unter Berufung auf die Kunstfreiheit frei.

Dieses letztinstanzliche Urteil greift Meiwes nun beim Bundesverfassungsgericht an. Im Eilverfahren zum geplanten Kinostart an diesem Donnerstag blieb er erfolglos. Den Angaben zufolge kündigte er aber eine Verfassungsbeschwerde im Hauptsacheverfahren an, sobald das BGH-Urteil schriftlich vorliege.

Nach Ansicht der Verfassungsrichter entsteht Meiwes durch den Film schon deshalb kein schwerer Nachteil, weil er mit seinem eigenen Verhalten gegenüber den Medien dazu beigetragen habe, dass die Details des Falls einer breiten Öffentlichkeit bereits bekannt seien.

Auch die Argumentation, dass das Drehbuch trotz seiner großen Realitätsnähe einzelne Darstellungen enthalte, die unzutreffend seien, überzeuge nicht. Bei den genannten Fehldarstellungen handele es sich um lediglich geringfügige Abweichungen von der Wirklichkeit, die eine „gesteigerte Rufbeeinträchtigung” nicht befürchten ließen.

Die Aufbereitung seiner Lebensgeschichte mit den Mitteln eines Horrorfilms führe ebenfalls nicht zu einem Nachteil für Meiwes, der eine einstweilige Anordnung rechtfertigen könnte, urteilten die Karlsruher Richter.

Zwar könne der Einsatz der genretypischen Stilmittel dazu führen, dass Meiwes von den Kinozuschauern als Persönlichkeit mit monströsen und furchteinflößenden Zügen wahrgenommen werde. Es sei aber zu berücksichtigen, dass bereits „ein neutraler Bericht über die beispiellose Tat des Antragstellers geeignet wäre, derartige Reaktionen auszulösen”.

„Rohtenburg” ist eine deutsch-amerikanische Koproduktion. Die Rolle des „Kannibalen” wird von Thomas Kretschmann gespielt. Meiwes, der wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, hat mit einer anderen Produktionsfirma einen Vertrag über die „umfassende, exklusive und weltweite Verwertung” seiner Lebensgeschichte geschlossen. Dieses Werk steht noch aus.