Aachen: Junge Männer im Machtkampf

Aachen: Junge Männer im Machtkampf

Ihre Wahl für Charaktere, die sich unterwürfig bis zur Selbstaufgabe über die Bühne quälen, scheint Bernadette Sonnenbichler getroffen zu haben. In der vergangenen Spielzeit am Theater Aachen steckte die junge Regisseurin (Jahrgang 1982) den Schauspieler Fredrik Jan Hofmann in die Haut von Franz Kafkas Handlungsreisenden Gregor Samsa.

Am Donnerstag wurde Hofmann zwischen den Mühlsteinen eines Militärinternats zerrieben. Als Basini in der Premiere von Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß”.

Und auch mit ihrer zweiten Inszenierung im Mörgens hält Sonnenbichler sich eng an die Romanvorlage beziehungsweise die Bühnenfassung von Thomas Birkmeir. Die Aufmerksamkeit gilt ganz der Psychologie der vier Charaktere. Basini wird von seinen „Kameraden” aus fadenscheinigen Gründen bis zum Äußersten gequält. Der passive Titelheld Törleß (Sebastian Stert) sieht zugleich zu und weg.

Der leicht abgehobene Beineberg (Hyun Wanner) sucht die Geschehnisse in den „großen Weltprozess” einzuordnen. Dann ist da noch der elitäre Tyrann Reiting, mit dem sich Darsteller Matthias Gall in seiner ersten Rolle vor Aachener Publikum sichtlich spielfreudig als abstoßender Unsympath präsentieren darf.

Zum selbsternannten Richter über den beim Stehlen erwischten Basini schwingt Reiting sich vor spärlichem Bühnenbild auf. Ein Machtkampf der Figuren zwischen drastischen Prügelszenen, psychologischen Schachzügen und homoerotischen Verstrickungen. Ein gradlinig inszenierter und mitreißend gespielter Theaterabend.

Aufführungen bis zum 23. Januar. Weitere Vorstellungen im Mörgens (Aachen, Mörgensstraße): 15. und 23. Januar; 4., 11. und 18. Februar, jeweils 20 Uhr.

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