1. Kultur

Jülich: Jülich: Verdi im romantischen Park

Jülich : Jülich: Verdi im romantischen Park

Mondschein, Fackeln, ein festlich gestimmtes Publikum, darunter auch eine Gruppe, die das „AZ auf Tour”-Angebot unserer Zeitung nutzte, und eine der berückendsten italienischen Opern, die je komponiert wurde.

Mit dem Gastspiel von Giuseppe Verdis „La Traviata”, einer Produktion der Loreley Klassik GmbH, setzte Veranstalter Günter Meyer auf der Open-Air-Bühne am Brückenkopf sein Motto „Park-Kultur” im wörtlichsten Sinne um.

Und obwohl die 110-Personen starke Truppe mit ihrer mächtigen Dekoration Mühe hatte, alles innerhalb kürzester Zeit auf die nicht allzu ausladenden Dimensionen umzusetzen, gab es nach gut zweieinhalb Stunden rauschenden Applaus für alle, die auf der Bühne agierten oder in den extra aufgestellten Containern und Zelten die nötigen Vorbereitungen trafen.

Man ist sich sehr nah an diesem Abend, denn die Stühle sind eng besetzt, das Orchester beginnt genau dort, wo die Zuschauer der ersten Reihe ihre Beine ausstrecken und gleich dahinter kommt die Bühne. Mit bewundernswerter Souveränität meistern hier alle diese Freiluft-Situation.

Ein bestens eingespieltes Orchester unter der musikalischen Leitung von Dirigent Helge Dorsch stimmt sensibel die ersten Takte der Ouvertüre an. Dorsch weiß genau, wo es gilt, die Wucht der Verdi-Klänge zu zügeln, wo filigrane Passagen leuchten müssen. So deckt der Klang die Stimmen - trotz größter Nähe - nicht zu, gibt es auch für die Zuhörer keine schmerzhafte Beschallung.

Stimmlich gut disponiertes Ensemble


Ein spielfreudiges und stimmlich bestens disponiertes Ensemble setzt die Geschichte nach Dumas „Kameliendame” mit Herz und Temperament um. Die Inszenierung von Günter Roth ist traditionell geprägt - schöne Roben (Kostüme Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf), ein Salon des späten 19. Jahrhunderts, wie man ihn sich mit Palmen und Dekor vorstellt, üppige Frisuren und Accessoires, die für das Pariser Flair jener Zeit sorgen.

Rolf Cofflet schuf ein variables Bühnenbild. Es lässt mit seinen Schnitzwerk-Bögen, Türen und Fensterflächen allerhand Licht- und Schattenspiele zu, verwandelt sich rasch vom glitzernden Salon in den Wintergarten und schließlich in das Sterbezimmer.

Sopranistin Sara Galli verkörpert die Violetta mit natürlicher Anmut, stimmschön, kraftvoll und mühelos in den Höhen, feinsinnig und sensibel in den lyrischen Passagen, berührend schließlich als todgeweihte Liebende. Sie „lebt” die Facetten dieser Figur wandlungsfähig und überzeugend.

Salvatore Ragonese singt den Alfredo mit Schwung, tenoraler Brillanz und typisch italienischem Gestus. Dem Vater Germont gibt Walter Donati Wärme und Tiefe. Ein lebhaft agierender und gut geführter Chor sorgt für eindrucksvolle Ensemble-Auftritte und hübsche Effekte.

Ein stimmungsvoller Opernabend, Begeisterung bei den Zuschauern, die sich spontan von den Sitzen erheben, und ein Team, das strahlend und fast ein bisschen verblüfft den euphorischen Applaus entgegennimmt.