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Düsseldorf: Joystick als Gas und Bremse: Technik bietet Behinderten neue Chancen

Düsseldorf : Joystick als Gas und Bremse: Technik bietet Behinderten neue Chancen

Ein kleiner Joystick hat dem doppelt beinamputierten Formel-1-Rennfahrer Alessandro Zanardi die Rückkehr in den Motorsport ermöglicht. Bei der am Mittwoch in Düsseldorf eröffneten Messe Rehacare International zeigte der 2001 verunglückte Italiener wie er mit einem auf die Bedürfnisse der Menschen ohne Beine ausgestatteten Auto problemlos dem geliebten Hobby frönen kann.

Zum Bremsen und Gas geben bedient er einen Computer-Joystick. „Den Rest erledige ich mit Berühren des Touchscreen”, sagte Zanardi bei einer Präsentation während der Messe.

Ein auf dem Rollstuhl montierter Joystick ist nicht nur praktisch, er regt auch den Spieltrieb bei Kindern mit schwersten Behinderungen an. Beispielsweise kann ein Kind mit der elektronischen Steuerung seines Elektro-Rollstuhls auch ein ferngesteuertes Spielzeugauto zentimetergenau einparken, mit dem es eben Slalom gefahren ist.

Die Umlenkung der Steuerungsfunktion des Rollstuhls theoretisch auf jedes andere funkgesteuerte Gerät ist dabei keineswegs bloße Spielerei. Sie wird in der Kinder-Rehabilitation zur Verbesserung der Hand-Auge- Koordination eingesetzt, erklärte der Vertreter eines großen niedersächsischen Reha-Herstellers.

Vor allem Blinde und stark Sehbehinderte finden auf der Messe Produkte, die ihnen das Leben erleichtern. So wird unter dem Titel Lesephon®-compact ein sprachgesteuertes Vorlesesystem für blinde Menschen präsentiert, die Wert auf einfache Bedienung legen. Zum Anschluss ist lediglich ein Stromkabel notwendig.

Sprachsteuerung bedeutet für den „blinden Leser” vor allem: kein mühsames Lernen, welche Taste welche Bedeutung hat. Bedient wird das System einfach durch die Sprache. Möchte der Nutzer sich einen Text vorlesen lassen, sagt er etwa einfach das Wort „lesen” in das integrierte Mikrofon.

Auch Navigationssysteme für blinde Fußgänger bietet die Industrie: Unter der Bezeichnung Trekker präsentierte eine Firma aus dem Ruhrgebiet ein Orientierungssystem, das blinden Menschen im Verkehr hilft. Es besteht aus einer Steuereinheit, Speicherkarte, GPS Antenne, Lautsprecher und regionalem Kartenmaterial. Trecker sagt dem Nutzer über den Lautsprecher jederzeit an, wo er sich gerade befindet. Individuelle Routen können gespeichert werden.