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Würselen: Johnny Cleggs Credo für Menschlichkeit

Würselen : Johnny Cleggs Credo für Menschlichkeit

Die Saison beim Open-Air-Festival Burg Wilhelmstein neigt sich langsam ihrem Ende zu. Mit dem Konzert des südafrikanischen Musikgenies Johnny Clegg und seiner Band hat Organisator Ulrich Pesch nochmals für einen umjubelten Höhepunkt gesorgt.

Der 51-jährige Clegg ist ein Künstler, der die Menschen nicht nur begeistert, er bewegt sie im besten Sinne des Wortes, denn spätestens in der zweiten Hälfte des Abends hält es kaum noch jemanden auf seinem Platz. Es wird getanzt, mitgeklatscht, gesungen.

Das ist Johnny Clegg - ein Musiker, der als Mensch eine ganz besondere Ausstrahlung hat, der rockige Elemente mit der Straßenmusik der Zulu, mit keltischer Folklore und manchmal sogar mit Western-Melodien zu einem unverwechselbaren, hinreißenden Sound verbindet.

Mit ganzem Herzen und einer so dynamischen Bühnenpräsenz, dass man immer neu von den musikalischen Strukturen überrasch ist, erreicht Johnny Clegg seine Zuhörer ohne Umschweife. Der Kontakt ist da, sobald er die Bühne betritt, und schon die schwarze Jacke mit den afrikanischen Ornamenten ist ein Bekenntnis.

Clegg ist kein Prediger, er ist überzeugt von seiner Mission, und die heißt: Humanität, Gleichberechtigung, Überwindung der Gegensätze. Und so erzählt er von den harten und bitteren Zeiten der Apartheid, vom Leiden und Morden, von der tiefen Liebe, die ihn unter anderem mit der Zulu-Kultur verbindet, und zugleich von der Sorge um eine Gesellschaft, die sich durch Genmanipulation selbst Entmenschlicht.

Die Songs aus eigener Feder sprechen für sich. „Take My Heart”, der Rhythmus ist kraftvoll, heftig, vital. Beim Zulu-Walking-Song tauscht er die Gitarre und die flirrenden Kaskaden, die er ihr entlockt, mit der kleinen Concertina, einer Art Ziehharmonika, und los geht der Marsch durch das unendliche Land.

An seiner Seite ist eine Band, auf die er sich felsenfest verlassen kann, jeder von ihnen ein brillanter Solist. Immer neu sorgt Brendan Ross mit Saxophon und Keyboard für faszinierend elegante Jazz-Linien, liefert Barry Vanzyl am Schlagzeug die tragende Basis einer fordernden und zugleich feinsinnigen Musik, sind Andrew Innes (Gitarre) und Concord Nkabinde (Bass) wichtige Kollegen.

Sie alle können singen und tanzen, doch in der Stimmgewalt ist Mandisa Dlanga für Johnny Clegg die stärkste Partnerin. Die Frau mit den runden Formen und dem schelmischen Lächeln gibt den Songs durch ihren Einsatz wunderbare Wärme, Kraft und Glanz.

Clegg ist ein Musiker aus Leidenschaft. Da genügt es ihm oft nicht, zu singen oder ein Instrument zu spielen. Er setzt seinen Körper ein, tanzt, wirbelt plötzlich um seine Bandmitglieder herum, lässt seine Bewegungen sprechen, wenn es ihn packt.

Die tänzerische Ausdrucksprache der Zulu hat er in jungen Jahren gelernt und verstanden. Das beweist nicht zuletzt der Kampftanz, der - und das ist ein Ritual bei Cleggs Konzerten - nach dem eigentlichen Programm das Publikum zum Staunen und Jubeln bringt. In Würselen ist der schwarze Tänzer Linda Zakwe an seiner Seite.

Ohne Zugaben lässt man Clegg und seine Musiker nicht ziehen, und die Dramaturgie stimmt. Bis zum Schluss hat sich Clegg die legendäre Hymne für Nelson Mandela aufgehoben -„Asimbonanga”, Feuerzeuge leuchten auf, die Menge ist feierlich ergriffen.

„Scatterlings of Africa” reisst alle mit und bei „Dela” wird natürlich kräftig gesungen. Clegg mischt seine großen Anfanggserfolge wie „Third World Child” oder „Woza Friday” und das höchst politische „One Man One Vote” geschickt mit Titeln seiner aktuellen CD „Best of Live”.

Der Spannungsbogen wird bis zum letzten „Gute Nacht” gespannt. Ein besonderer Abend auf der Burg.