Aachen: „Johannes-Passion“: Weiche Klänge unter der Kuppel

Aachen : „Johannes-Passion“: Weiche Klänge unter der Kuppel

Rechtzeitig zur Karwoche widmeten sich der Aachener Domchor und sein langjähriger Leiter Berthold Botzet erneut Bachs „Johannes-Passion“. Dass die letzte Aufführung im Dom erst zwei Jahre zurückliegt, spielt angesichts der Ausdrucksstärke des Stücks und der großen künstlerischen Herausforderung keine Rolle.

Das sah auch das Publikum nichts anders, das die vorgesehenen Plätze restlos füllte.

Bach-Interpretationen des Domchors fordern natürlich den Vergleich mit den Aufführungen der protestantischen „Konkurrenz“ durch den Bachverein heraus. Die gut geschulten Knabenstimmen des Domchors verleihen Botzets Produktionen ein besonderes Kolorit, wobei das etwas herbere Klangbild durch den riesigen Raum des Doms gemildert wird. Unter diesen akustischen Verhältnissen klingt die Passion weicher, voluminöser, in den Chorälen symphonischer als in den Aufführungen des Bachvereins.

Unterschiede, die das Werk problemlos verkraftet und die die Auseinandersetzung lebendig halten. Zu den Pluspunkten zählt auf jeden Fall der wieder vorzüglich präparierte Chor, der die differenzierten Anforderungen souverän bewältigt. Botzet ging diesmal die Arien straffer an als in der Vergangenheit.

Das Zusammenspiel zwischen Solisten, Chor und Orchester ist unter der Kuppel des Doms nicht einfach. Botzet hielt die Fäden sicher in Händen, wobei ihm mit dem Concert Royal Köln ein versiertes Orchester zur Verfügung stand, das allerdings mit seinem historischen Instrumentarium diesmal deutlich hörbare Probleme mit der Intonation hatte.

Den insgesamt hochwertigen Eindruck rundete ein verlässliches Solistenensemble mit Michael Simon als intelligent und sauber phrasierendem Evangelisten ab, dem auch die Tenor-Arien keine Schwierigkeiten bereiteten. Karsten Mewes gestaltete die Christus-Worte pointiert mit der nötigen Zurückhaltung, und die Bass-Arien waren bei Michael Adair bestens aufgehoben.

Die kurzfristig eingesprungene Mezzosopranistin Elvira Bill wurde ihrem Rang als hoch geschätzte Oratoriensängerin vollauf gerecht, und Anne Schneider mit der kleiner zugeschnittenen Sopranpartie komplettierte das Solistenquintett adäquat.

Großer Beifall für eine beachtenswerte Gesamtleistung.

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